Donnerstag, 6. märz 2008
Es ist seltsam, dass manche Menschen wirklich eine panische Angst vor Spritzen haben! Viele Dinge, die wir im täglichen Leben so tun, können weit schmerzhafter enden, und wir stellen uns weniger an: Wenn wir uns beim Kochen in den Finger schneiden, fluchen wir kurz, kleben ein Pflaster auf die Wunde und kochen weiter.

Aber Spritzen  sind wohl anders. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass man sich fürchen MUSS, weil man ja weiß, wie weh es tut! Oft höre ich, wenn ich jemanden geimpft habe: "Das war schon alles?". Der Schmerzt war viel geringer als erwartet. Einmal habe ich mich mit einem jungen Mann sogar gestritten, der eine Spritze in den Po bekommen hatte (keine Impfung, denn die muss in den Arm). Er warf mir vor, ich hätte noch gar nicht gespritzt, während ich versicherte, dass alles schon erledigt sei. Er hatte es nur nicht gemerkt, weil ich vorher kurz an der entsprechenden Stelle "gewackelt" hatte und ihn damit abgelenkt.

Die Stärke des Schmerzes kann also nicht der Grund für die Panik sein, die manche angesichts der Nadel befällt. Was ist es dann? Hin und wieder fällt einer (ja, oft sind es junge Männer!) sogar in Ohnmacht, wenn man ihm Blut abnehmen will. Obgleich: Ich habe mal einen gestandenen Kerl aufgefangen, dem ich in der Ambulanz gerade einen Gips am Arm angelegt hatte; die Aufregung war wohl zuviel für ihn. Vielleicht ist es einfach die Angst vorm ungewohnten Unangenehmen, die die Nerven angreift.

Ich habe zwar Mitleid mit Menschen, die sich etwas fürchten, aber wenig Verständinis für  Fast- Erwachsene, die ein Riesentheater machen. ich habe kreischende, kämpfende Teenager erlebt, die nicht nur Ärzte und Schwestern, sondern auch ihre Eltern zum Wahnsinn treiben. Hier sage ich sehr bestimmt und merklich böse, dass man sich mal für eine Sekunde zusammenreißen müsse. Wer das nicht kann, muss wieder gehen.

Neulich saßen hilflose Eltern bei mir, weil die sechzehnjährige Tochter sich nicht  untersuchen lassen will, obgleich sie seit Monaten unter Durchfällen leidet. Ich bin der Meinung: Wenn sie sich benimmt wie ein Baby (auch sie kämpft und heult, wenn man ihr Blut abnehmen will), dann soll man sie bzgl. Kino, Handy oder Disco auch wie eines behandeln. Wer erwachsen werden will, muss auch mal auf die Zähne beißen können und seine Angst besiegen.  Heult und strampelt man wie ein Baby, braucht man weder Handy noch Party. Ich warte, wie sich die junge "Frau" entscheidet. Wenn sie weiterhin Theater macht, soll sie von mir aus weiterhin Durchfall haben.

Übrigens:  Kleinkinder sind oft, wenn man verständnisvoll mit ihnen umgeht, sehr tapfer bei Spritzen! Wenn es zu Tränchen kommt, sind sie meist schnell wieder getrocknet. Das sollte sich mancher zum Vorbild nehmen
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Kommentare

;-) au weia... Männer und Spritzen

Zu einem Teenager mit Durchfall mache ich mir so meine Gedanken (s. Methusalem: http://lebensgestaltung.over-blog.com/article-17369955.html).

Hatte mal eine 14-jährige Patientin mit Diagnose Reflux-Oesophagits, ihr Handrücken hat was anderes gesagt...

lg, nicole
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: équilibriste (Website) am: 6/03/2008 13:32:12
Ja, man muss immer über den Tellerrand hinausdenken! Manchmal frage ich mich auch, für wie blöd manche Teens uns halten ;-(
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 6/03/2008 14:29:38
Vor allem halten die ihre Eltern für blöd, wobei - das ist wohl nicht so ganz richtig. Viele Eltern halten es bestimmt für unmöglich, dass ihr Kind "sowas" macht. Und wenn man dann bloß einen Verdacht äußert ist man ganz schnell unten durch... v.a. wenn man nur die Ernährungs-Tante ist.
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: équilibriste (Website) am: 6/03/2008 14:44:14
Jeder hat seine Schwäche und die einen haben ihre Schwäche eben mit Spritzen. Aber sich für Impfungen oder Blutabnahmen zusammenreißen, das könnte man ja schon mal machen! Da gebe ich Ihnen recht!
Ich gebe zu, dass ich selbst auch ein bisschen Angst vor Spritzen habe, aber nur vor denen des Zahnarztes. Das liegt ausschließlich daran, dass ich (zum Glück!) noch nie eine bekommen habe. Wenn ich sie einmal erhalte, werde ich wissen wie es ist und auch keine Angst mehr davor haben.
Aber es stimmt, geimpft wurde jeder schon mal und insofern gilt diese "Ausrede" nicht wirklich!
Man könnte solche Patienten ja so oft spritzen, bis die Angst weg ist :)
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: Celine am: 6/03/2008 19:35:41
Lustige Idee! ;-))

Ich HASSE es, zum Zahnarzt zu gehen, bin ziemlich empfindlich mit meinen Zähnen ("Dental- Weichei" hat mich mal jemand zu Recht genannt). Aber ich reiße mich dann trotzdem zusammen! Man darf ja Angst haben und das alles unangenehm finden, sollte aber nicht lautstark heulen und kämpfen, wie es auch bei Größeren immer wieder passiert.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 6/03/2008 19:46:37
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu! Sicherlich gehören Spritzen, Untersuchungen,... nicht gerade zu den schönen Dingen des Lebens, aber sie müssen halt auch sein. Und dass man sich ein bischen zusammennimmt kann man denke ich wrklich erwarten! Finde alleine schon aus Respekt vor dem Arzt oder Schwestern. Ist ja echt penlich und eine blöde Situation, wenn sich jemand so aufführt und wehrt, dass man ihn vielleicht sogar festhalten muss! Hatte auch schon viele unangenehme Untersuchungen,... aber da muss man halt Stärke beweisen. Meist sind die Schmerzen ja wirklich nicht arg oder zumindest auszuhalten (Zahnarzt ist aber wirklich ätzend! Da geh ich viel lieber zum Hausazrt ;-) ). von der Klinik weiß ich, dass gerade die Kleinen sich die größte Mühe geben, tapfer und stark zu sein, wenn man ihnen sagt, dass es ein bischen weh tut. Schon beeindrucken! Da könnte sich mancher "gestander" Mann (und Frau) ein Beispiel nehmen!

P.S.: So schade, dass sie den Blog aufgeben! Es war so interessant! Traurig gucken tut :-(! Könnten sie nihct z.B alle zwei Wo noch was schreiben?
Kommentarnr.: 4 Gepostet von: Simona am: 7/03/2008 14:45:40
Hallo Simona,

ich denk mal drüber nach... Vielleicht kann ich das, aber ich bin auch gern mal draußen oder beim Sport oder oder oder...  Wenn man nur noch am PC sitzt, ist das doch zu ungesund! Und dann habe ich ja noch einen äußerst charmanten Lebensgefährten ;-))

Schaun wir mal.

Schönes WE!
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 7/03/2008 15:15:10
Erstmal ein hallo.
Mich hat es gefreut, ein wenig gerade über mich zu lesen. Sagen wir es mal so:

Ich bin 16 Jahre alt und habe eine richtige Panik vor Spinnen. Ähnlich einer Phobie - so ist das bei manchen Leuten mit Spinnen. Die können auch nichts dagegen machen.
Ich weiß, dass die Spritzen sein müssen und ich lasse es auch friedlich über mich ergehen; aber es ist doch immer wieder schrecklich diese Riesennadel von Angesicht zu Angesicht zu sehen.
Ich habe mich so angestrengt auf diese Situation das letzte Mal konzentriert, dass mein Kreislauf beinahe komplett zusammengeklappt wäre.
Ich kann da nichts gegen tun. Mir schießt das Adrenalin nur so in den Körper und Kopf.

Es ist unglaublich...

Liebe Grüße,
Franzi

P.S. Schön beschrieben! Zum Glück lass ich alles über mich ergehen...
Kommentarnr.: 5 Gepostet von: Franziska Beek (Website) am: 10/03/2008 22:37:38
Ich finde es schade, dass Du solche Angst hast, aber sehr tapfer, dass Du dagegen angehst! Das Problem habe ich nur mit den Kids, die sich dazu keine Mühe geben.

Übrigens: So groß sind die Nadeln gar nicht ;-)
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 11/03/2008 09:10:20
Das ist wahrscheinlich der größte Mist den ich jemals von einem Arzt gehört habe. - Respekt.

Es gibt Menschen die haben Angst (Panik!) vor Spritzen, andere vor Höhen und andere vor Spinnen. Das ist nunmal so.

Wenn nun ein Arzt so gefühllos darauf reagiert würde ich mich auch weigern mich untersuchen zu lassen und ich bin mittlerweile knapp 30 Jahre alt.
Kommentarnr.: 6 Gepostet von: qwertz am: 1/05/2008 16:48:09
Dann haben Sie aber noch nicht viel Mist von Ärzten gehört ;-)

Ich habe überhaupt nicht von Leuten mit einer echten Phobie gesprochen, denn die reagieren ganz anders. Sie sind durchaus in der Lage, einem vorher ernsthaft zu erzählen, dasssie eine Phobie haben; demenstprechend nimmt man Rücksicht.

Ich meine jene, die schon bei der Erwähnung einer Spritze schreien, handgreiflich werden oder gar treten!
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 3/05/2008 18:22:02
Sehr geehrte Frau Dr. Höllering,

ich bin, nachdem ich ihren Artikel gelesen habe, sehr aufgebracht gewesen.
Ich ´gehöre zu den Menschen,über die sie gesprochen haben. Nur, dass ich weder kind, noch fast erwachsen bin, sondern dieses Jahr 30 werde.
Was versprechen sie sich eigentlich von Methoden, wie Kino-, Handy- oder Diskoentzug? Und was für eine Lösung haben sie für mich parat, den sie ja nicht mehr für seine Angst bestrafen können?
Sie sagen, sie sprechen davon, dass jemand Angst hat und nicht von einer Phobie und dass ein Phobiker dasja auch ruhig vorher mal sagen kann, dass er einer ist.
Aber gerade das hwerunterspielen des Problems, wie sie es in ihrem Artikel Praktiziert haben, macht genau das so schwierig.
Wie soll ein 16 jähriges Mädchen, dass sich sowieso gerade in einem schwierigen Entwicklungsstadium befindet und dass möglicherweise schon von ihren Eltern gesagt bekommen hat, dass ihre Angst kindisch sei und sie sich nicht so anstellen solle, den mut aufbringen, dass vorher zu sagen. Noch dazu, wenn es nicht weiß, dass sie eine phobische Störung haben könnte.
Ich bin dazu in der Lage das vorher zu sagen, habe aber nicht die Erfahrung gemacht, dass das ernst genommen würde. Mit der Konsequenz, dass ich mich bereits seit drei Jahren nicht mehr zu einem Arzt getraut habe. Und das, obwohl ich eigentlich mindestens zweimalim Jahr eine CT machen müsste, um eine Auffälligkeit am Hirn zu beobachten. Aber das geht ja nicht ohne Kontrastmittel...
Als ich noch Termine gemacht habe, habe ich die Wochen bis zu einem Termin in einem echten Horrortripp zugebracht. Ich konnte keine nacht schlafen, weil ich panisch davon wach geworden bin, weil ich meine Arme nicht angewinkelt hatte und somit die Venen frei lagen.

Ich bin heute erstmals dazu in der Lage (und ich habe die Phobie seit der Grundschule), den Versuch zu unternehmen, diese angst mithilfe einer Therapie anzugehen und ich weiß nicht ob ich das auch schaffen werde. Momentan suche ich nach einem Verhaltenstherapeuten und werde bis zur ersten Sitzung jeden tag durch die Hölle gehen, weil ich weiß, dass der tag an dem ich mich damit beschäftigen muss stetig näher rückt.
Meine Ärztin sagte mir einmal, als ich mich verweigerte: "Wollen sie lieber sterben?"
Ich sagte nein und verließ die Praxis.
Aber mir wurde in dem Moment klar, dass ich zwar nicht sterben wollte, davor aber weitaus weniger Angst habe, als vor dem so lächerlich kleinem pieksen, vor dem ich mich ja nicht so anstellen soll.
Das ist zwar irrational und ich weiß das auch, aber so sind Ängste nun mal. Egal, ob sie sich noch im gesunden Rahmen befinden, oder schon krankhaft sind.
Asterix und Obelix haben Angst, ihnen könnte der Himmel auf den Kopf fallen und doch gelten sie als mutig.
Ich würde mich auch als einen tendentiell eher mutigen Menschen bezeichnen, der es liebt, Risiken einzugehen. Ich bin mutig, außer in meiner Angst.
Ich hoffe, dass dieser Kommentar dazu beiträgt, dass sie die Ängste ihrer patienten in Zukunft ernster nehmen und versuchen sie zu lösen, anstatt einen Gegendruck aufzubauen, der schlimmer ist, als die Angst.
Mein erster Impuls, nachdem ich ihren Artikel las, war die Suche nach einem Therapieplatz auf zu geben, da es mir sinnlos erschien, wenn Ärzte das Problem nicht ernst nehmen.
Aber ich mache ihnen folgenden Vorschlag. Ich werde versuchen meinen Mut nicht zu verlieren, die Albträume der nächsten Wochen zu ertragen und meine Angst mit professioneller Hilfe besiegen. Wenn ich das schaffe, sollte es für sie ein leichtes sein, den Mut aufzubringen sich einmal mit der Lebenswirklichkeit der unter Angst leidenden zu beschäftigen. Sprechen sie mit Phobikern. Lassen sie sich deren irrationale Welt erklären und denken sie darüber nach, ob sie auf ihre neu gewonnenen Erfahrungen in der Praxis reagieren können.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Orendi
Kommentarnr.: 7 Gepostet von: Ralf Orendi am: 11/05/2008 01:03:57

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