Es ist seltsam, dass manche Menschen wirklich eine panische Angst vor Spritzen haben! Viele Dinge, die wir im täglichen Leben so tun, können weit schmerzhafter enden, und wir stellen uns weniger
an: Wenn wir uns beim Kochen in den Finger schneiden, fluchen wir kurz, kleben ein Pflaster auf die Wunde und kochen weiter.
Aber Spritzen sind wohl anders. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass man sich fürchen MUSS, weil man ja weiß, wie weh es tut! Oft höre ich, wenn ich jemanden geimpft habe: "Das war schon
alles?". Der Schmerzt war viel geringer als erwartet. Einmal habe ich mich mit einem jungen Mann sogar gestritten, der eine Spritze in den Po bekommen hatte (keine Impfung, denn die muss in den
Arm). Er warf mir vor, ich hätte noch gar nicht gespritzt, während ich versicherte, dass alles schon erledigt sei. Er hatte es nur nicht gemerkt, weil ich vorher kurz an der entsprechenden Stelle
"gewackelt" hatte und ihn damit abgelenkt.
Die Stärke des Schmerzes kann also nicht der Grund für die Panik sein, die manche angesichts der Nadel befällt. Was ist es dann? Hin und wieder fällt einer (ja, oft sind es junge Männer!) sogar in
Ohnmacht, wenn man ihm Blut abnehmen will. Obgleich: Ich habe mal einen gestandenen Kerl aufgefangen, dem ich in der Ambulanz gerade einen Gips am Arm angelegt hatte; die Aufregung war wohl zuviel
für ihn. Vielleicht ist es einfach die Angst vorm ungewohnten Unangenehmen, die die Nerven angreift.
Ich habe zwar Mitleid mit Menschen, die sich etwas fürchten, aber wenig Verständinis für Fast- Erwachsene, die ein Riesentheater machen. ich habe kreischende, kämpfende Teenager erlebt, die
nicht nur Ärzte und Schwestern, sondern auch ihre Eltern zum Wahnsinn treiben. Hier sage ich sehr bestimmt und merklich böse, dass man sich mal für eine Sekunde zusammenreißen müsse. Wer das nicht
kann, muss wieder gehen.
Neulich saßen hilflose Eltern bei mir, weil die sechzehnjährige Tochter sich nicht untersuchen lassen will, obgleich sie seit Monaten unter Durchfällen leidet. Ich bin der Meinung: Wenn sie
sich benimmt wie ein Baby (auch sie kämpft und heult, wenn man ihr Blut abnehmen will), dann soll man sie bzgl. Kino, Handy oder Disco auch wie eines behandeln. Wer erwachsen werden will, muss auch
mal auf die Zähne beißen können und seine Angst besiegen. Heult und strampelt man wie ein Baby, braucht man weder Handy noch Party. Ich warte, wie sich die junge "Frau" entscheidet. Wenn sie
weiterhin Theater macht, soll sie von mir aus weiterhin Durchfall haben.
Übrigens: Kleinkinder sind oft, wenn man verständnisvoll mit ihnen umgeht, sehr tapfer bei Spritzen! Wenn es zu Tränchen kommt, sind sie meist schnell wieder getrocknet. Das sollte sich
mancher zum Vorbild nehmen
Zu einem Teenager mit Durchfall mache ich mir so meine Gedanken (s. Methusalem: http://lebensgestaltung.over-blog.com/article-17369955.html).
Hatte mal eine 14-jährige Patientin mit Diagnose Reflux-Oesophagits, ihr Handrücken hat was anderes gesagt...
lg, nicole