Neulich schrieb ich, dass uns Hausärzten manchmal die Wertschätzung der Öffentlichkeit fehlt.
Leider ist es nicht nur so, dass manche Politiker oder Privatleute uns nicht richtig für voll nehmen, sondern auch einige unserer fachärztlichen Kollegen verhalten sich manchmal
abfälliger, als es angemessen wäre.
Das geht schon mit der Unterscheidung "Hausarzt - Facharzt" los. So ein Quatsch! Ich bin Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin, eine Ausbildung, die mit mindestens 5 Jahren Weiterbildung
inklusive Facharztprüfung der der anderen Ärzte in keiner Hinsicht nachsteht. Ich habe Blinddärme operiert, Herzinfarkte behandelt, Babies untersucht und über 100 Entbindungen eigenständig
betreut, darunter Zwillige und Beckenendlagen. Ich habe eine Intensiveinheit in einem krankenhaus betreut und bin seit 1987 regelmäßig als Notärztin unterwegs gewesen.
Bei Verkehrsunfällen war ich als erstversorgende Notärztin hoch angesehen, in der Chirurgie für meine schonenden Eingriffe beliebt. Muss ich jetzt als Hausärztin den Ausputzer für
Krankenhauschirurgen spielen, die ihre Patienten zu früh entlassen und auf mich als Hausärztin hochnäsig herabsehen?
Nicht nur im Rettungswesen, sondern auch in meinen vielen Klinik- und Praxisjahren habe ich Menschenleben gerettet und als Stationsärztin der inneren Medizin auch unsere Intensiveinheit mitbetreut.
Muss ich mich jetzt von Patienten fragen lassen, ob ich davon auch was verstehe, ich sei doch "nur" Hausärztin?
Ich habe in Afrika in der Klinik in der Geburtshilfe gearbeitet, aber auch im Urwald in einer kleinen Station, nur auf mich und meine Krankenschwester angewiesen. Soll ich weniger wert sein als ein
Frauenarzt, der irgendwo seine Praxis betreibt?
Am meisten ärgert mich, dass viele Patienten glauben, im Krankenhaus die besseren Ärzte vorzufinden. Dabei sind die Assistenten, auf deren Schultern die tägliche Arbeit ruht, meist erst einige
Jahre (wenn überhaupt!) mit dem Studium fertig. In der Ambulanz trifft man auf wirklich "grüne Jungs und Mädels", die frisch von der Uni kommen. Wie kann man auf die Idee kommen, hier besser
aufgehoben zu sein als bei einem gut ausgebildeten Hausarzt, der mindestens 4 Jahre Ausbildung plus Facharztprüfung nachweisen muss, bevor er sich niederlassen darf?
Zum Glück ist die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten unseres Krankenhauses, aber auch mit den meisten Fachkollegen hier vor Ort kollegial. Aber manchmal passiert es eben doch, dass ein
Spezialist seine Patienten zu uns schickt, damit wir ihm die Medikamente verordnen, die er nicht auf sein Budget nehmen will. Oder er lässt ihn durch seine ganze Technik laufen, und wenn ihm nichts
mehr einfällt (oder es nichts mehr zu verdienen gibt), sagt er, der Hausarzt solle nun weitermachen, er könne nichts mehr tun. Beides lasse ich mir nicht gefallen. Wenn der Patient beim
Spezialisten in Behandlung ist, muss der die entsprechenden Medikamente auch verschreiben, und sich so lange um ihn kümmern, bis es ihm wirklich besser geht. Dafür greife ich dann auch schon mal
zum Telefon, um meinem Herzen Luft zu machen!
Auch wenn ich es sehr bedauere, dass einige Berufsstände in Deutschland nicht die nötige würdigung erhalten, muss ich jedoch sagen , dass ein jeder Mensch das Recht hat sich nach den Kompetenzen des behandelnden Arztes zu erkundigen. Denn aus dem wort Hausarzt kommt nicht ihr werdegang oder ihre ERfahrung zum ausdruck, wenn sie dies gewürdigt wissen wollen, so sollten sie Ihren Lebenslauf unter das Praxisschild heften oder Infoblätter verteilen. Ich, meineszeichens Dr.dipl Psychologie Fachbereich Verhaltenstherapie, darf mir trotz langwierigem Studium und mehreren Praxisjahren in Kliniken auch o einiges anhören , ob meine Kompetenzen denn so weit reichen wie es der Klient benötigt . Doch in solchen Fällen sollte man sein eigenes Geltungsbedürfnis zurückstellen und auf den Kunden eingehen, denn nichts desto trotz hat man es mit Menschen zu tun die genau so viel wertschätzung erfahren sollten wie man selbst.
Mit freundlichen Grüßen
Sara Hellkamp
wie kommen Sie auf die Idee, dass ich nicht möchte, dass man sich nach meinen Kompetenzen erkundigt, oder dass ich nicht auf meine Patienten eingehen möchte? Beides ist mir Recht und mein tägliches Brot.
Wenn aber Fachkollegen abschätzig werden, oder wenn meine Patienten von vorneherein (!) davon ausgehen, dass ich als Hausärztin von so wenig etwas verstehe, dann ärgert mich das schon. Zumal ich am Wochenende dann wieder gut genug bin, notärztlich zu arbeiten.
Keine Sorge, in einem langen Berufsleben habe ich (genau wie Sie) gelernt, nicht wirkjlich gekränkt zu sein!
Auch in meinem neuen Blog auf www.aerztlichepraxis.de schreibe ich aber weiterhin kritisch über das, was mir auf der Seele liegt; beugt dem Burnout vor!
Herzlichst, Frauke Höllering