Mittwoch, 27. februar 2008
Vor einem Jahr hatte ich meinem Patienten das Leben gerettet: Er schleppte sich mit einem Herzinfarkt in meine Praxis (dachte, er habe einen Infekt!) und wurde durch schnelle Erstversorgung und
Krankenhauseinlieferung gerettet; noch im Notarztwagen musste er wiederbelebt werden, weil sein Herz aussetzte.
Er ist noch keine 50 Jahre alt, und wenn ich ihn sehe, freue ich mich immer, weil es ihm wieder richtig gut geht. Diesmal machte er mir neue Sorgen: Sein Gesicht war fahlgelb, als sei er an einer
bösen Gelbsucht erkrankt. Das Blasse erklärte sich durch eine Blutarmut, die ihn schon seit längerem begleitet, aber das Gelbe war beunruhigend. Schon beim letzten Besuch hatte ich mich
gefragt, ob er etwas gelb sei, aber er fühlte sich (wie jetzt auch) blendend. Seine Blutwerte zeigten keinen Hinweis auf einen Gallestau oder eine Lebererkrankung. "Warum sind Sie bloß so gelb?",
fragte ich ihn, ohne auf eine Erklärung zu hoffen.
Die Antwort verblüffte mich: "Kann das an den Karotten liegen?", fragte er unschuldig. Er berichtete, dass er sich nach dem Herzinfarkt das Rauchen abgewöhnt hätte, aber seitdem Unmengen Möhren
verzehren würde: Er knabbert bis zu einem Kilo am Tag! Das reicht aus, um ihm diese seltsame Farbe zu geben, und ich war froh über die einleuchtende Erklärung.
Ich erinnerte ihn aber an Paracelsus, der sagte: " Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist!".Zuviel ist nie gut, und zuviel Betacarotin auch nicht. Er wird sich auf 500 g beschränken
und lernen müssen, dass er auch auf dem Sofa sitzen kann, ohne irgendetwas im Mund zu haben. Sonst wachsen ihm noch Hasenohren ;-)
von Dr. Frauke Höllering
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