Dienstag, 26. februar 2008
Für unsere weniger nachdenklichen Patienten ist der einzig nachvollziehbare Sinn einer Überweisung der, dass sie 10 € sparen: Kommt man ohne Überweisung zum Arzt, wird die Praxisgebühr fällig, es sei denn, es ginge um reine Vorsorge.  (Dann darf man aber auch nicht die winizgste andere Frage nebenbei haben).

Für uns Ärztinnen und Ärzte hat die Überweisung aber noch ganz andere Funktionen! So kann man dort "Mit-, Weiterbehandlung" ankreuzen; das mache ich, wenn der Patient eine Erkrankung hat, die ich nicht weiterbehandeln möchte, weil sie aus meinem Fachgebiet fällt (z. B. Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfall, rheumatische Systemerkrankung). Der Schein dient hier auch der Mitteilung an den weiterbehandelnden Arzt. Ich kann darauf schreiben, was ich schon gemacht habe und mit welchem Erfolg. Der Fachkollege weiß, dass die Überweisung sinnvoll ist und zielgerichtet. Dann gibt er lieber einen Termin, als wenn jemand, der z. B. über leichten  Schwindel klagt, direkt beim Facharzt anruft und sagt: "Ich glaube, ich habe Multiple Sklerose, und brauche dringend einen Termin!". Solche Patienten, die bei jedem kleinen Symptom zum Spezialisten wollen, "verstopfen" deren Praxis und verhindern, dass die Experten sich in Ruhe um wirklich schwere Fälle kümmern können.

Dann kann man auch "Zielauftrag" ankreuzen. Das ist z. B. angebracht, wenn ich jemanden zur Magenspiegelung schicken möchte, aber die Befundbesprechung und Weiterbehandlung selber durchführen. Für den Spezialisten hat das den Vorteil, dass seine Leistungen für Zielaufträge nicht gedeckelt sind, er darf sie voll abrechnen. Auch kann ich auf der Überweisung vermerken, warum ich die Spiegelung für nötig halte.

Ein weiterer Vorteil der Überweisung ist der Brief: Ich erhalte einen vom Fachkollegen, wenn er von mir die Fragestellung per Überweisung bekommen hat. Damit habe ich sowohl eine Information, als auch ein schriftliches Dokument, das wir jederzeit wieder einsehen können, und das bei Arztwechsel dem nächsten Hausarzt mitgegeben wird. Ganz wichtig z. B. bei  Fragen wie: "Wann hatte ich nochmal das Röntgebild?", oder "Hatte ich damals eigentlich Magenbakterien?"

Das erklärt, warum es so sinnvoll ist, erst zum Haus- und dann zum Facharzt zu gehen! Der Hausarzt sammelt die Facharztbefunde und fügt sie zu einem Gesamtbidl zusammen. Wer will, dass jemand den gesamten Menschen im Auge behält, sucht sich einen guten Hausarzt.

Das "Überweisungswesen" hiflt also dem Informationsaustausch und verhindert Doppeluntersuchungen bzw. -therapien. Wer überweist, bekommt dafür weder Honorar, noch muss er für seine Überweisungen finanziell geradestehen. Nur, wer Unmengen teurer Untersuchungen (z. B. MRTs) anfordert, bekommt Ärger von der kassenärztlichen Vereinigung.

Was totaler Schwachsinn ist: Sich am Quartalsanfang vorsorglich einen Stapel Leer- Überweisungen zu allen möglichen Fachärzten geben zu lassen. Damit mag man zwar Praxisgebühr sparen, aber mehr auch nicht. Ich stelle solche ziellosen Überweisungen auch nicht aus.





von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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