Samstag, 23. februar 2008
Meine Patientin ist sehr klein und sehr dick... kein Wunder, weil sie so klein ist, kann sie wahrscheinlich von ca. 1500 kcal am Tag leben, sie verbraucht auch fast nichts durch
Bewegung. Vor Jahren hat sie eine Schilddrüsen- OP gehabt, nun muss sie ein paar Schilddrüsenhormone nehmen, damit die fehlende Drüse ausgeglichen wird.
Bei der letzten Blutuntersuchung waren die Werte etwas hoch, darum habe ich die Dosis ein wenig herabgesetzt. Die Überdosis hatte zur Zeichen einer Überfunktion geführt: Der Blutdruck war auf fast
200 angestiegen, der Puls eilte bei 104. Die Patientin war gerade erst neu zu mir gewechselt, und schon musste ich die Dosis ändern, die sie zuvor jahrelang gleichbleibend eingenommen hatte.
Gestern, nach acht Wochen, saß sie wieder bei mir: "Die neuen Pillen nehme ich auf gar keinen Fall!", schimpfte sie erbost. "Ich habe in den letzten beiden Monaten schon 2 Kilo zugenommen!" Ihr
Blutdruck war trotz Aufregung auf akzeptable 150/80 gefallen, der Puls unter hundert. Aber natürlich verbrannte sie nun noch weniger Kalorien täglich.
Ich erinnerte sie an den belgischen "Arzt", der Schlankheitskapseln mit u. a. Schilddrüsenhormonen darin auf den Markt gebracht und einige Todesfälle zu verantworten hatte. "Bei einer
Überfunktion gleicht man einer Kerze, die an zwei Enden brennt", erklärte ich. "Es wird zwar viel verbrannt, aber man ist schneller am Ende". Sie wollte nichts davon wissen. Nichts davon, dass sie
sich mehr bewewgen könne, dass 2 belegte Brötchen ein zu üppiges Frühstück für sie wären. Schimpfend nahm sie das Rezept für die angemessene Medizin und rauschte ab. Ich bin sicher, sie wird
wieder zu ihrem ersten Arzt zurückgehen und ihn bitten: "Schreiben sie mir bitte die Medizin auf, die ich seit Jahren von Ihnen bekomme". Ich bin fast sicher, dass er das tut; schließlich hat er
zuvor die Werte auch nciht regelmäßig kontrolliert. Schade um die verpasste Chance!
von Dr. Frauke Höllering
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