Donnerstag, 21. februar 2008
Am Samstag hatten wir die Annonce in der Zeitung, und nun sind die ersten zehn Bewerbungen eingetrudelt. Das einzig positive: Die Mappen sind alle hübsch und ordentlich! Witzigerweise sind
die Floskeln der Bewerbungsschreiben teilweise identisch, also nicht auf dem eigenen Mist gewachsen, sondern irgendwo angekupfert.
Der Inhalt der Mappen: Oje! Wie möchte jemand, der auf der Hauptschule reichlich Vieren oder gar Fünfen hat, den komplizierten Beruf der medizinischen Fachangestellten bewältigen? Man
kann ja mal ein paar Schwächen haben, aber doch nicht in allen Fächern! Wie soll jemand mit einer 5 in Mathe die Praxiskasse mitverwalten? Wie jemand mit einer 4 oder 5 in Deutsch die Arztbriefe
zuverlässig schreiben?
Dann die Fehlzeiten: Bei den meisten sind reichlich Stunden ausgefallen, einige unentschuldigt. Jeder kann mal krank sein, aber dafür kann man eine Entschuldigung bringen. Warum soll ich meinem
Team jemanden zumuten, der gerne blau macht?
Dann frage ich mich, warum sich jemand, der sich in einer Praxis bewirbt, nicht über deren Chefs schlau macht. Über die Hälfte der Bewerbungen (sie kamen aus der Nachbarstadt, wo man mich
nicht persönlich kennt) wandten sich an HERRN Dr. Höllering. Das ist unhöflich und nimmt mir die Lust, mir die Kandidatin auch nur anzusehen. Wer sich bei mir bewirbt, sollte wenigstens wissen, wer
und was ich bin!
Ich habe keine Bewerberin eingeladen, weil ich immer noch hoffe, dass im Laufe der Woche noch andere hinzukommen. Aber im Bewerbungsgespräch wird die Frage kommen: "Warum wollen Sie
ausgerechnet in unserer Praxis lernen?" Da käme es gut, wenn die junge Dame wüsste, was wir tun und was wir sind.
Es ist wirklich wichtig in allen Lehrberufen, dass man nicht wahllos Reihenbewerbungen verschickt, sondern den Chefs das Gefühl gibt, persönlich angesprochen worden zu sein. Dafür gibt
es genug Infos im Net.
Ich bleibe gespannt!