Mittwoch, 20. februar 2008

Vor meinem Urlaub besuchte mich eine Dame, die schon über 80, aber noch recht gut auf den Beinen war. Sie klagte über Müdigkeit und schwere Glieder, das Alter mache ihr langsam doch zu schaffen.Internistisch hatte ich sie zuvor mit gutem Ergebnis untersucht, Herz und Lunge waren recht gut in Schuss. Glücklicherweise habe ich sie mir dennoch genauer angesehen und nicht alles aufs Alter gschoben. Habe die Beweglichkeit ihrer Gelenke geprüft, mir ihr Gangbild angeschaut und sie gebeten, ein paar Worte auf einen Zettel zu schreiben. Die Gelenke waren etwas steif, aber ihr Gang war typisch: Sie trippelte mit kleinen Schritten und schien dabei vornüber zu fallen. Ihre Schrift war klein und etwas zitterig. Wenn Sie die Hände im Schoß hielt, war das Zittern jedoch kaum zu sehen.

Ich  bat sie, einen Neurologen aufzusuchen,  weil ich eine Parkinsonkrankheit vermutete. Jetzt kam sie wieder und fühlte sich unter den neuen Medikamenten  wie ein neuer Mensch: "Ich habe wirklich Parkinson", sagte sie, "aber Medizin bekommen. Das ganze Steife ist weg!"

  Trotz der ernsten Diagnose habe ich mich sehr mit der Patientin gefreut, dass ihr geholfen wurde. Allerdings muss ich selbstkritisch sagen, dass ich an  einem hektischeren Tag (oder mit dumpferem Kopf) vielleicht versäumt hätte, an Parkinson zu denken. Immerhin war das Zittern kaum merklich. Wie schnell  denkt man, dass  eine Steifigkeit vom Alter kommt und sowieso nicht mehr zu ändern wäre!

von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Kommentare

Hallo Doc!
Ich finde das toll das Sie so gut aufgepast haben.
Die Parkinsonkrankheit ist eine sehr schlimme Krankheit. Ich wünschte mir auch das unsere Ärzte bei den Bewohnern besser hinschauen würden. Bei einer Behandlung steigt die Lebensqualität doch erheblich. So das es sich noch lange hinaus zögern läßt das diese Menschen ganz Bettlägerig werden.

LG Anneliese
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: Anneliese (Website) am: 20.02.2008 20:55:19
Danke für das nette Lob! Aber es ist wirklich so, dass man manchmal einfach nicht darauf kommt, insbesondere dann, wenn die Patienten (wie im Heim) sowieso gehbehindert sind.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 21.02.2008 12:12:47
Ja, ich finde es auch toll, dass sie sich so viel zeit genommen haben.
Nur: Die Ursache ist trotzdem noch nicht behoben.

Parkinson ist eine Folgeerscheinung einer Lähmung.
D.h.: die Patientin müsste vorher in diesem Bereich des Zitterns eine Lähmung verspürt haben.

www.neue-medizin.de

Alles Liebe

fridolin
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: fridolin (Website) am: 20.02.2008 23:44:50
Hat sie aber nicht! Die "Lähmung" ist eine gewisse Rigidität der Extremitäten, darum bezeichnet man die Krankheit auch als "Schüttellähmung".  Die Ursache der Krankheit ist eine Dopaminverarmung in der Substanzia nigra des Gehirns.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 21.02.2008 12:15:04
Jetzt bin ich aber mal gespannt...

lg, nicole
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: équilibriste (Website) am: 21.02.2008 07:03:26

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Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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