Mittwoch, 6. februar 2008
Wenn unsere Patienten zum Bäcker gehen, um Brot zu kaufen, kämen sie nicht auf die Idee, das ohne Geld zu tun. Sie können sich nicht vorstellen zu sagen: "Ich nehme das Brot schon mal mit, das Geld
bringe ich dann später!". Ich glaube auch, dass sich das kein Bäcker gefallen ließe.
Anders ist es in unserer Praxis. Obwohl alle wissen, dass wir die Versichertenkarte brauchen, und auch 10 € für die Krankenkasse einziehen müssen, wird beides gern vergessen. "Ich
brauche nur ein Rezept!", heißt es dann gern, "den Rest bringe ich später vorbei". In dem Moment, in dem wir das Rezept ausfüllen und ein entsprechender Karteikarteneintrag entsteht, wird die
Praxisgebühr fällig. Diese ziehen die Krankenkassen direkt von unserem Honorar ab. Wenn wir sie vom Patienten vorher nicht bekommen haben, zahlen wir also tüchtig drauf! Wir müssen
"hinterhertelefonieren", sogar einmal mahnen; auf den Kosten dafür bleiben wir sitzen. Nur, wenn die Mahnung vergebens bleibt, kümmern sich die Kassen selber um ihr Geld, aber bis dahin verwenden
wir viel Zeit und Nerven.
Darum verhalten wir uns so, wie das Gesetz es verlangt: Wer ohne Geld und/oder Karte eine Notfallbehandlung braucht, bekommt sie natürlich. Alle anderen werden gebeten, mit beidem
wiederzukommen.
Manch einer verspricht auch, später eine Überweisung zu bringen, dabei ist diese im Nachhinein gar nicht erlaubt! Wenn Sie z. B. Ihren Orthopäden aufsuchen und zwei Wochen später wegen eines
Infektes Ihren Hausarzt, müssen Sie noch einmal 10 € bezahlen. Nur, wenn Sie die Überweisung am selben Tag von Ihrem Orthopäden bekommen, ist das zulässig. Sie Tage später zu bringen, aber
nicht.
Diese Regelung wurde geschaffen, damit man Ärzte nicht unter Druck setzen kann: "Ich habe alle möglichen Spezialisten aufgesucht, nun brauche ich die Überweisungen!". Andersherum ist es richtig:
Man sucht seinen Hausarzt auf, der mit einem bespricht, ob ein Facharzt eingeschaltet werden muss. Auf dem Überweisungsschein kann der Hausarzt noch spezielle Fragestellungen und Hinweise notieren.
Das verbessert die Zusammenarbeit und verhindert Doppeluntersuchungen.
Darum: Wenn Sie Ihren Deckel in Ihrer Kneipe nicht anschreiben lassen, auch nicht im Supermarkt auf Pump kaufen: Haben Sie auch ein Herz für Ihre Ärzte und deren Helferinnen, und bringen Sie Karte
und Praxisgebühr oder Befreiungsausweis) immer mit!