Dienstag, 5. februar 2008
Was ich schon immer geahnt hatte, hat sich nun in einer Studie der WHO bestätigt: 5 bis 10 % aller Patienten einer Arztpraxis, heißt es dort, sind Menschen, die sich durch keinen Arzt und keine
Untersuchung von der Überzeugung abbringen lassen, schwer krank zu sein.
Darum ist es dankenswert, dass das ZDF diesem Thema eine Sendung in der Reihe "37 Grad" widmet: Am 19. 2. um 22.15 mit dem Thema "Mein Symptom und ich". Ich finde es tapfer von den Betroffenen, die
dort zu Wort kommen, dass sie sich zu Gunsten der schweigenden Anderen "geoutet" haben! Sie zeigen, dass man sich nicht nur das Leben durch hypochondrische Ängste zur Hölle machen kann, sondern
dass man auch Ehe und Arbeitsplatz damit gefährdet.
Wie man auch im Focus- Gesundheitsforum immer wieder lesen kann, ist es tatsächlich unmöglich, Hypochonder davon zu überzeugen, dass sie derzeit gesund sind. Auch Ärzte müssen noch dazulernen, dass
sie nicht Dutzende teurer und belastender Untersuchungen ansetzen, um dieses nicht erreichbare Ziel doch noch zu erreichen. Andererseits kann auch ein Hypochonder mal ernsthaft erkranken! Darum
brauchen wir eine endlose Geduld und die Bereitschaft, jedes Symptom auf einen möglichen ernsten Hintergrund hin zu beurteilen. Das überfordert nicht nur mich häufiger.
Fast jeder kennt die Fabel von dem Hütejungen, der auß Spaß ständig das Dorf alarmierte: "Der Wolf kommt!". Als der Wolf wirklich kam, kümmerten sich die Dorfbewohner nicht um den Alarm, und die
Herde wurde angegriffen. Das ist eine weitere Tragik bzgl. der Hypochondrie: Die Empathie und Sorgfalt der Ärzte wurde schon so oft sinnlos gefordert, dass sie im Ernstfall nicht ausreichend zur
Verfügung steht. Wie in dem alten Witz: "Herr Doktor, der Hypochonder in Zimmer 14 ist gestorben!". "Na, jetzt übertreibt er aber..."
Ich bin gespannt auf die Sendung und würde sie gerne mit Euch/Ihnen hier diskutieren!
von Dr. Frauke Höllering
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