Donnerstag, 31. januar 2008
Viele unserer Praxisgespräche betreffen erst den Körper, aber dann die Seele. So sprach ich neulich mit einem Patienten, dessen Bluthochdruck sich  auch mit Medikamenten kaum einstellen ließ. Als ich ihn nach seiner Familie fragte, schüttete er sein Herz aus:

"Ich bin 61", sagte er, "und meine Tochter ist 17. Sie macht eine Schulausbildung nach, aber sonst nur, was sie will. Sie hilft nicht, sie ist frech, sie kommt und geht nach Belieben. Seitdem wir weniger Geld haben, weil ich Frührentner geworden bin, verachtet sie mich. Sie sagt höhnisch, ich sei zu alt, um z. B. ein Handy zu haben und seine Bedienung zu verstehen.  Wenn sie mal wieder in der Patsche sitzt, darf ich ihr raushelfen, ansonsten dürfen wir Eltern ihr nichts sagen. Wir sind einfach zu alt Eltern geworden!".

Während er erzählte, dachte ich an die über 60- jährigen Frauen, die sich noch durch künstliche Befruchtung ein Baby "verschafft" haben. DIE sind zu alt! Mit 44 Vater zu werden, ist vielleicht nicht ideal, aber das scheint mir hier nicht das Hauptproblem zu sein. Die spät geborene Tochter wurde viel zu viel verwöhnt, wie ihr Vater zugab. Die Eltern waren Wachs in ihren Händen, jede Forderung wurde erfüllt. So verlor das kleine Gör sämtlichen Respekt vor ihren Eltern. Schade, weil Respekt und Liebe sich nicht ausschließen. Im Gegenteil! Kinder brauchen Grenzen und starke Eltern, um sich innerhalb der gesetzten Regeln geborgen zu fühlen. Wenn sie ihre Eltern verachten, werden sie einsam und haltlos.

Nun ist schon viel kaputt gegangen. Ich habe dem Vater geraten, ein paar klare Regeln aufzustellen: Die Tochter übernimmt einen Teil des Haushaltes; in jedem Falle bügelt sie ihre Wäsche selbst. Vernachlässigt sie ihre Aufgaben, wird sie erst ermahnt, dann wird für sie nicht mehr mit gekocht. Sie muss begreifen, dass die Familie keinen Enbahnstraße ist! Je fester die Eltern ihren Standpunkt vertreten, je konsequenter sie sind, umso mehr Achtung wird ihre Tochter vor ihnen bekommen. In ruhigen Zeiten wird sie fühlen, wie sehr ihre Eltern sie lieben. Der Weg zum Ziel wird allerdings mit Streit und Diskussionen gepflastert sein. Ich hoffe sehr, dass die Eltern das durchhalten!

Meine keinen Blutdruckpillen kommen gegen große Probleme nur mühsam an. besser ist es, man packt sie an der Wurzel!

von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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