Montag, 28. januar 2008
Ich bin sehr stolz auf den funktionierenden Terminkalender in unserer Praxis. Wir achten darauf, dass die Wartezeiten für Patienten mit Termin im Schnitt höchstens 15 Minuten dauern, an "drubbeligen" Tagen höchstens eine halbe Stunde. Wer ohne Termin kommt, muss warten, bis wir ihn zwischenschieben (dafür gibt es Pufferzeiten). Natürlich kümmern wir uns sofort um Notfälle oder schwer erkrankte Patienten.

Ich lese gerade in Foren immer wieder,  dass Leute bis zu 2 Stunden in Wartezimmern herumsitzen. Ich halte das für eine Zumutung! Gerade in Facharztpraxen, die wenige Notfälle zu behandeln haben,  muss das nicht sein. Wenn ich wegen eines Notfalls die Praxis verlassen muss, informiere ich die Patienten im Wartezimmer, wie lange ich wahrscheinlich weg sein werde. Sie können dann überlegen, ob sie warten wollen oder noch einmal wiederkommen. An nomalen Tagen kann man auch in einer großen Praxis wie der unseren seine Termine gut einhalten, wenn man sich darum bemüht. Weiß der Himmel, wie solche irrwitzigen Wartezeiten zu Stande kommen.

Ich habe Respekt vor jedermanns Zeit, aber ich wünsche mir, dass man auch mit meiner Zeit  sorgsam umgeht. Dass ich an einem Montagmorgen hier blogge, liegt schlicht daran, dass ein Patient  einfach nicht erschienen ist, obgleich wir eine aufwändige Untersuchung  geplant hatten: Lungenfunktion, Gesundheitsscheck, DMP Asthma.  In der dafür eingeplanten Zeit  konnte ich zwar zwei Patienten zwischendurch sehen, aber nun heißt es 10 Minuten "Däumchen drehen". Natürlich kann ich bloggen, Kaffee trinken, Schreibtisch aufräumen... Aber lieber würde ich das tun, wofür ich heute in die Praxis gekommen bin! Solche langen Termine nämlich sind rar, und diesen hätte gerne jemand anders gehabt, der sich nun gedulden muss.

Darum, liebe Patienten: Wenn Sie einen Termin haben, den Sie doch nicht wahrnehmen können, sagen Sie ihn bitte ab! Andere freuen sich ,wenn sie ihn übernehmen können, und wir können weiterhin gut planen. Wäre doch schade, wenn auch wir anfängen, unser Wartezimmer vollzu"stopfen" vor lauter Angst, plötzlich Däumchen drehen zu müssen.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (3)    Trackback erstellen empfehlen
Voir tous les articles

Kommentare

ich gehe wirklich nur noch in den seltesten fällen zum arzt eben wegen der ewig langen wartezeiten (oft bis zu 3 stunden!) und es ist auch egal zu welchem arzt ich gehe, es ist immer wieder das gleiche... schon stunden bevor die praxis öffnet stehen die patienten und warten... hinzu kommt das ich die erfahrung gemacht habe das mir kein arzt mehr etwas neues erzählen konnte. ging ich hin weil mir die schulter seit tagen schmerzt gab er mir schmerzmittel... und ich ging mit ener erkältung oder dram grippe...
ich bin nun seit mehr als 9 jahren mutter von drei kindern und bin meiner kinder fast schon ein besserer arzt wie der Arzt (hört sich viellecht verrückt an ist aber so) ich benutze ihn nur noch für die rezepte...die ichja nicht einfach so bekomme.....
traurig aber war!
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: catrin am: 28.01.2008 16:21:15
Wirklich traurig... In welcher Stadt leben Sie denn? Gibt es dort so wenig Ärzte, oder haben die keinen Terminkalender, so dass alle morgens früh kommen und dann so lange warten, biss sie an der Reihe sind? Das wäre ein schwachsinniges System.
Ich bin sicher, dass man für relativ gesunde Kinder auch nur höchst selten einen Arzt braucht; jedenfalls nicht für Erkältungen! Aber für Impfungen, Harnwegsinfekte und eitrige Mandelentzündungen zum Beispiel.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 28.01.2008 17:25:08
Noch nie musste ich lange warten. Für mich ist es fast ein Wunder, wie die Termine bei Arztpraxen eingehalten werden. Man kann doch kaum berechnen, wieviel Zeit man mit jedem Patienten verbringt. Jeder hat andere Beschwerden, mit jedem werden andere Untersuchungen gemacht, jeder redet unterschiedlich lange, ... Und dann kommen noch Notfälle, Patienten ohne Termine, ... Wie schafft Ihr Ärzte das nur, Eure Patienten nicht warten zu lassen?!
Warum ein Patient nicht absagt, obwohl auch noch aufwändige Untersuchungen geplant werden, kann ich aber auch nicht verstehen.
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: Celine am: 28.01.2008 17:10:53
Das geht, weil wir wissen, wieviel Zeit man im Schnitt braucht. Wenn nicht so viel los ist, gönnen wir uns auch ein paar private Worte oder machen ein paar mehr Routineuntersuchungen. Ist viel los (wie jetzt), arbeiten wir recht zügig; alles, was nicht akut ist, wird an einem 2. Termin besprochen oder untersucht. Das finden die Leute ok, weil sie ja nicht lange warten müssen. "Notfälle" gibt es ja gar nicht so viele! Der zeitraubendste Notfall: Wenn jemand zu weinen anfängt. Dann riskiere auch ich eine Verspätung, denn bei Kummer muss man sich etwas mehr Zeit nehmen.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 28.01.2008 17:29:00
tja, hört sich alles sehr schön. Ich arbeite in einer Facharztpraxis, wir machen tägl. 10-12 Gastros und 10 Colos. Wir sind für ein Einzugsgebiet von ca. 15000 Patienten momentan die einzige Praxis (zum. die Dormicum anbieten). Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach Terminen. Wir haben jeden Tag Notfälle, können allerdings keine Zeitpuffer einplanen, da wir sonst mit den Terminen in 6 Monaten wären. Und nun? Wir arbeiten ohne Pause durch, oftmals bis 22.00 Uhr, nützt ja nichts. Wir planen pro Gastro 15 min, pro Colo 30 min. Wie oft haben die Pat. einen langen elongierten Darm, viele Polypen, alles Sachen die man nicht planen kann. Jeder Pat. mit Darmspieglung muss aufgeklärt werden, er bekommt Blut abgenommen e.c. Zwischendurch legen wir noch LZ-EKG oder LZ-RR an, machen für andere Ärzte auch mal eine Ergometrie.


Wir haben ja nun auch noch ein Zeitbudget, es ist für dieses Quartal bereits zu 38 Prozent ausgeschöpft :(.

Dieses Arbeitspensum bewältigen wir mit einer Ärztin, 3 Schwestern und einer Auszubildenden.

Musste ich mal loswerden ;).
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: pünzel74 am: 28.01.2008 21:02:01
Das hat uns Ulla Schmidt eingebrockt! Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer Kleinstadt zusammen mit einem Internisten. Der hat geröntgt, koloskopiert und gastroskopiert, als einiziger in unserm Ort. Dann kam das Gesetz, dass hausärztlich arbeitende Internisten nicht mehr spiegeln und röntgen dürfen. Das kam einer Enteignung gleich! Unsere Geräte haben wir abgeschafft, unsere Patienten müssen wir in die Nachbarstadt schicken, wo ein (!) Arzt  alle versorgt. Dem geht es ähnlich wie Ihnen.

Das Problem ist, dass wir Doofies einfach die Versorgung sicherstellen wollen! Wir arbeiten bis zum Umfallen, auch wenn ein Drittel nicht mehr bezahlt wird, nur, damit den Patienten geholfen wird. Und Frau Schmidt verkündet großkotzig, dass die Versorgung doch prima sei!
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 29.01.2008 09:18:40

Trackbacks

Keine Trackbacks zu diesem Artikel

Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

Über diesen Blog

Kalender

Oktober 2008
M D M D F S S
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
<< < > >>

Freitext

Bookmark bei Mister Wong Bookmark bei Del.icio.us Bookmark bei Digg Bookmark bei Blinklist
Bookmark bei Technorati Bookmark bei Newsvine Bookmark bei Furl Icons von Blog-Marketing

Feeds

  • Flux RSS des articles
 
Blog : Sport auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden