Sonntag, 27. januar 2008
Hundertzwanzigtausend offiziell gemeldete Abtreibungen haben wir jährlich in Deutschland, bei sicher noch erklecklicher Dunkelziffer. Das, obgleich uns  allerlei wirksame Verhütungsmittel zur Verfügung stehen, und trotz der Tatsache, dass eine Abtreibung ein einschneidendes, oft dauerhaft psychisch belastendes  Erlebnis ist. Das ist gut nachzulesen in der Studie "Kleiner Eingriff, großes Trauma", die sich mit den psychischen Folgen von Abtreibungen beschäftigt.


Ca 40 % der abtreibenden Frauen sind verheiratet, das Gros ist zwischen 25 und 40 Jahren alt.  Teenager, Vergewaltigte und  medizinisch Gefährdete sind in der absoluten Minderzahl.  Ich lag vor  vielen Jahren mal mit einer verheirateten Frau im Krankenzimmer, die ihre 7. Abtreibung hinter sich hatte. Sie ging genauso vor wie meine (berufstätige)  Nachbarin zu Studentenzeiten: "Ich vertrage die Pille nicht, mein Mann/Freund mag keine Kondome, dann treibe ich eben ab".

Viele Frauen (und Männer!) sind sich gar nicht bewusst, dass  bei einer Abtreibung in der 12. Woche ein perfekter kleiner Mensch mit Fingern, Herz , Zunge und allem, was dazugehört, zerstückelt und zerstört wird. In vielen Gesprächen auch mit (eigentlich gebildeten) Studentinnen hört man aber, dass doch nur ein "Zellhaufen" entfernt würde. Woher kommt dieser Mangel an Aufklärung, wo wir doch Sexualkunde in den Schulen und auch sonst Auifklärung an jeder Ecke haben??

In der "Welt am Sonntag" von heute las ich den erschütternden Leserbrief einer Hebamme. Da stand, dass für über 110.000 Abtreibungen jährlich die Kosten vom Staat getragen werden, weil die Betroffene unter 1000 € monatlich verdient. Was der (verhinderte) Vater verdient, ist dabei egal! Ist es also tatsächlich möglich, dass Frauen sagen: "Die Pille muss ich selber zahlen, dann treibe ich lieber kostenlos ab"? Ich hoffe, dass das nicht stimmt!

Es geht mir nicht darum, Abtreibungen per se zu verteufeln. In manchen verzweifelten Lagen kann ich verstehen, dass man sich dazu durchringt. Aber man sollte schon darum ringen und nicht leichtfertig entscheiden!

Ich habe soviel  darüber geschrieben, wie man  auf sich selber aufpassen sollte. Bitte, passen Sie auch auf Ihre Verhütung auf! Wenn dann doch mal überraschend eine Schwangerschaft entsteht, dann überlegen Sie sich: "Warum eigentlich nicht?". Den perfekten Zeitpunkt für ein Baby gibt es sowieso nicht... Neuer Job, kein Job, zu jung, zu alt, Haus gebaut, Wohnung zu klein.... Wer Kinder möchte, macht den Zeitpunkt, an dem sie kommen, eben zum perfekten Moment! Ich habe das vor vielen Jahren genauso gemacht, obgleich mir "Pro Familia" auf Grund meiner derzeitigen Lage sofort den Schein für eine Abtreibungsindikation ausgestellt hätte. Dass ich nicht im Traum daran gedacht habe, dorthin zu gehen, sondern mein Leben auf dieses Baby neu ausgerichtete, war die besten Entscheidung meines Lebens.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Kommentare

Prof. Dr. Schmid-Tannwald von der Universitäts-Frauenklinik in München ist sogar der Meinung, dass jede unerwartete Schwangerschaft dem Bewusstsein der Frau zwar ungewollt erscheint, dass aber vom Körper der Frau her diese Schwangerschaft unbewusst angesteuert wurde. Die eigentliche Aufgabe des Arztes bestehe darin, die schwangere Frau behutsam an die Wahrheit ihres Körpers heranzuführen.
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 27.01.2008 13:59:56
Das ist allerdings eine gewagte These! Habe ich doch neulich eine verzweifelte Iranerin gesprochen, die blutjung ist und von einem Holländer geschwängert wurde, den sie kaum kennt. Sie sieht neben der Abreibung keine Alternative zum Selbstmord; ihre strenggläubigen Eltern würden sie umbringen, erführen sie von der Schwangerschaft.

Ich denke nicht, dass unser Körper (den ich für die Hardware der Software "Seele" halte) so einschneidend über unser Leben entscheidet oder auch entscheiden darf. Mir ist auch unheimlich bei dieser These, weil oft der Hinweis auf die "Bestimmung" der Frau ein Instrument ihrer Untersrückung wurde und wird.

Ich wünsche mir nur, dass erkannt wird, wie oft eine Schwangerschaft DOCH ein Segen ist, wenn man sie zunächst als bedrohliche Krise einschätzte. Flexibilität im Denken wäre schön: "Nun ist es soweit, dann versuche ich doch, mit diesen neu gemischten Karten zu spielen und das beste daraus zu machen!". Wer glaubt, einen Zellhaufen abzutreiben, geht viel leichtsinniger mit diesem brutalen Instrument der "Verhütung" um.

Ich habe allerlei Patientinnen, die sich seelisch von einer Abtreibung nicht mehr erholt haben. Insbesondere dann, wenn später das Wunschkind ausblieb. Ich kenne einige, die immer noch am errechneten Geburtsdatum denken: "Jetzt wäre es schon drei Jahre alt... Wie sähe es wohl aus?". Es ist eben nicht so, dass man von einem schwangeren Zustand in einen nicht schwangeren zurückversetzt wird, sondern dass man ein existierendes Lebewesen vernichtet hat. Das bleibt bitter und sollte Fällen wie z. B. dem der o. g. Iranerin vorbehalten bleiben, wenn sich keine andere Lösung findet.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 27.01.2008 16:54:47
ich bin der meinung das abtreibungen verschärft kontrolliert werden müssen.
ich war mit meiner ersten tochter schwanger im krankenhaus (verdacht auf eileiterschwangerschaft), an einem tag sah ich soviele mädchen und frauen kommen und gehen wie noch nie zuvor als ich diese leute fragte war sie denn hier seien und ich hörte das sie ihr kind abtreiben was ich sichtlich geschockt. nicht das eine frau ihr kind abtreiben lässt, nein! das ist jedem sein eigenes ding. ich war geschockt das diese "babys" einfach so weg gemacht wurden und dann noch so schnell. hallo wir sind doch keine fabrik???!!!!!!!
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: catrin am: 28.01.2008 16:28:15
leider anscheinend doch. Ihre Beobachtung deckt sich mit meinen Erfahrungen, dass Abtreibungen viel zu leichtsinnig durchgeführt werden. Beratung? Pustekuchen!

Als eine liebe Freundin vor über 10 Jahren ungewollt schwanger wurde, und sich bei "Pro" Familia beraten lassen wollte, drückte man ihr einfach so den Schein für die Abtreibungsindikation in die Hand! Nur, weil der Vater nicht ihr Mann war! Dabei wollte sie sich wirklich beraten lassen. Das habe ich dann nachgeholt, habe ihr gesagt, welche Hilfen es gibt. Jetzt ist ihr Sohn ein lieber Teenager und die Liebe ihres Lebens.

Nur, was tun? Will man einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Thema anmahnen, wird man als "Frauenfeind" oder "verbohrter Hardliner" geschmäht. Vor vielen Jahren schrieben einige Frauen im Stern: "Wir haben abgetrieben" (bei vielen war das gar nicht wahr). Vielleicht sollte  man nun mal schreiben: "Wir haben nicht abgetrieben, und das ist gut so!"? Ich wäre dabei!
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 28.01.2008 17:35:30
Nachdem ich nach wie vor die Trackback-Technik auf OverBlog nicht hinkriege, versuche ich es halt auf dem Wege eines Kommentars, nämlich darauf hinzuweisen, dass mich dieser Artikel an ein früheres Gedicht von mir erinnerte, das ich nun auf meinem Blog unter dem Titel "Mutter in Not" veröffentlich habe. Ich habe mir erlaubt, mit einem Link auf Ihren Artikel hier hinzuweisen.
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 1.02.2008 16:56:15
Ich bin eben erst nach Hause gekommen,werde es aber gleich lesen!

Ich glaube, dass das mit dem Trackback einfach noch nicht geht.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 3.02.2008 17:10:34

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  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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