Ich verbringe viel Zeit damit, meine Patienten vom Rauchen abzubringen. Das geht manchmal erstaunlich gut, oft gar nicht, und manchmal muss ich aufpassen, den Leuten nicht gar zu sehr auf den Keks
zu gehen. Gerade den Jungen, denen Aufhören gar nicht so schwer fallen würde, ist es ziemlich egal, was in 20 oder 30 Jahren passiert. Wenn sie mit 50 einen Herzinfarkt bekommen, denken sie, ist
das doch auch nicht so schlimm; schließlich sind sie dann ja schon "ziemlich alt"! An Lungenkrebs denken sie gar nicht, weil der doch relativ selten ist.
Nun aber besucht mich ein Mann, der im letzten Jahr den 50. Geburtstag gefeiert hat, eigentlich recht fit. Unglücklichweise aber ist er nun an Lungenkrebs erkrankt. Er hat früher
regelmäßig geraucht, dann einige Jahren nicht, dann einige Jahre wieder, ca 15 Zigaretten am Tag. Jetzt hat es ihn also erwischt... Wie ärgerlich, dass er damals das Rauchen wieder
angefangen hat! Hätte er es gelassen, wäre er jetzt wahrscheinlich gesund.
Nun sitzt er vor mir mit vielen Fragen. Er wird operiert werden, einen Lungenflügel verlieren, sicherlich nachbestahlt werden. Er wird evtl. eine Chemotherapie bekommen. Ob ihm das das Leben
retten wird? Wahrscheinlich nicht... Die Überlebensrate bei diesem Krebs sind enttäuschend. Aber natürlich hoffe ich für ihn!
Zunächst ist sein Leben anders geworden. Er wird nie mehr arbeiten können, Tennis spielen, unbeschwert sein. Er ist zwar "schon" 50, aber eben auch "erst" 50. In diesem Alter (das ich selber habe)
ist man beruflich oft gut etabliert, erfolgreich, fit. Man treibt Sport, genießt seine Freizeit, weil die Kids aus dem Hause sind, und erfüllt sich mit dem ersparten Geld ein paar Träume. Man denkt
daran, dass man noch mal richtig ranklotzen will vor der Rente. Schließlich hat man schon Erfahrung und noch Schwung! Man steht also mitten im Leben! Es ist eine wunderbare Zeit, weil man schon
vieles erreicht hat, aber noch einige Pläne. Man hat echte Freunde gefunden, Selbstsicherheit, oft auch bescheidenen finanziellen und beruflichen Erfolg, ohne die Fähigkeit zum Träumen schon
verloren zu haben. Man ist körperlich zwar nicht mehr so hübsch wie man 20, aber oft immer noch gut drauf. So ging es bisher auch meinem Patienten.
Und dann das! Krebs haben, eine Lungenflügel verlieren, behindert sein. Angst haben, dass man Metastasen findet,die das Leben spätestens nach ein paar Jahren beenden. Angst vor Siechtum, Schmerzen,
Schwäche.
Das alles ist so überflüssig! Ich werde diesen Patienten zum Anlass nehmen, meinen Kampf gegen die Nikotinsucht mit neuem Schwung weiter zu führen. Einer, dem ich dieses Schicksal ersparen kann,
ist ein paar Genervte wert! Übrigens sind auch Herzinfarkt oder Schlaganfall mit 50 das Ende mancher schönen Lebensträume... Jeder 3. Infarkt ist sogar tödlich. Am besten ist: Das Rauchen gar nicht
erst anfangen.