Mittwoch, 23. januar 2008
Über ein Jahr lang hat meine Patientin über Durchfälle geklagt. Sie ist Ende 50 und ein ganz zartes Ding: keine 50 kg wiegt sie bei 165cm Körpergröße. Sie raucht, obgleich sie
schon chronische Bronchitis hat. Ein wenig hat sie reduziert, aber an Aufhören ist leider immer noch nicht zu denken. Die Durchfälle machten ihr zu schaffen, und auch ich war (nicht nur wegen
des geringen Körpergewichtes) besorgt. Ob der Durchfall doch vom Nikotin kam?
Alles hatte ich untersuchen lassen: Schilddrüsenwerte, anderes Labor, Stuhluntersuchung, Darmspiegelung, Untersuchung auf Nahrungsmittelunverträglichkeit. Nichts wurde gefunden. Mehrfach hatte ich
gefragt: "Nehmen Sie noch irgendwelche Präparate, von denen ich nichts weiß?" Stets hatte sie verneint.
Gestern kam sie wieder. "Mein Durchfall ist seit einer Woche weg!", strahlte sie. Ich war erstaunt: "Wie ist das denn gekommen?". Ihre Antwort warf mich vom Stuhl: "Ich habe immer so viel Magnesium
genommen wegen meiner Wadenkrämpfe", sagte sie. "Das habe ich jetzt mal weggelassen, und schon ist der Durchfall weg!". Ich raufte mir die Haare. Magnesium wirkt abführend, und diese hohe Dosis bei
einem so zarten Persönchen erst recht. "Warum haben Sie mir das mit dem Magnesium denn nicht erzählt?", fragte ich sie, "ich habe doch extra gefragt, ob Sie noch etwas nehmen?". Ihre Antwort war
entwaffnend: " Ich dachte, Magnesium sind keine Tabletten. Das ist doch alles Natur".
Ich habe dazugelernt, und werde meine Fragen in Zukunft noch konkreter stellen.Die Patientin weiß jetzt, dass auch natürliche Mittel Nebenwirkungen haben können. Sie kann froh sein, dass sie sich
keine Nierensteine eingehandelt hat! Auch das hätte passieren können. Wir beide aber freuen uns, dass der Durchfall endlich weg ist; gegen die Wadenkrämpfe wird ein bisschen Chinin helfen.
von Dr. Frauke Höllering
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