Mittwoch, 16. januar 2008
Wir  niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte rechnen unsere Leistungen mit der kassenärztlichen Vereinigung ab.  Die bekommt das Geld von den gesetzlichen Krankenkassen und verteilt es an uns, so gerecht wie möglich. Bezahlt werden wir nach Punkten: Jeder gibt an, wieviel Punkte er erbracht hat (das steht in der Gebührenordnung). Die Geldmenge, die verteilt wird, bleibt immer gleich. Sind es viele Punkte, die erwirtschaftet wurden (z. B. , weil wegen des Noro- Virus oder einer Grippewelle viele Patienten behandelt werden mussten), sinkt der Punktwert einfach ab, und man hat die Mehrarbeit ohne einen Cent mehr in der Tasche erbracht. Hamsterrad. Aber einer gewissen Punktwert- Obergrenze ist sowieso Ende. Haben wir also für den einzelnen Patienten mehr Leistungen erbracht als vorgesehen, tun wir das ganz kostenlos.

Es kann nicht sein, dass wir die Folgen ausbaden müssen, wenn mehr Leute krank sind! Daum soll dieses Punktesystem im Jahr 2009 gegen eine normale Gebührenordnung in Euro ausgetauscht werden. Aber auch hier gibt es natürlich nur eine gewisse Summe, die wir pro Patient erbringen dürfen; wir werden ja in Pauschalen bezahlt. Ich glaube daher nicht, dass sich viel ändern wird. Woher soll auch das Geld kommen, um unsere ärztliche Arbeit fair zu bezahlen? 

Manche "Kollegen" machen es sich einfach: Ist ihr Budget erfüllt, machen sie Urlaub, immer 2 oder 3 Wochen pro Quartal. Ihre armen Patienten werden von denjenigen  Ärzten (kostenlos) versorgt, die sich nicht drücken, obgleich ihr Budget längst ausgeschöpft ist. Ich finde es schade, dass die Patienten diesen Budgetschonern nicht ganz den Rücken drehen!

Mir wäre es am liebsten, dass jeder Patient eine Arztrechnung bekäme, die er bei seiner Kasse einreicht; ganz wie bei den Privatversicherten. Dann wüsste er, was wir alles erbracht haben, und wie die einzelne Leistung bewertet wird. Außerdem könnten unsere ärztlichen "schwarzen Schafe" nicht aufschreiben, was sie wollen, weil es dem Patienten auffiele, wenn nicht erbrachte Leistungen auf der Rechnung stünden. Vielleicht wäre dann mehr Geld im System für eine leistungsgerechte Bezahlung?

Natürlich hätten wir dann auch die Arbeit mit Mahnungen etc., aber dafür fiele vielleicht der ganze Praxisgebühr- Wahnsinn weg.

Ein bisschen träume ich davon.



von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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