Montag, 14. januar 2008
Nicht erschrecken:  Es gibt keinerlei Anzeichen dafür. Warum schreibe ich dann so eine provozierende  Überschrift? Weil es mir nochmal um die Ängste  vieler Menschen geht.

Hin  und wieder taste ich meine Brust ab, regelmäßig gehe ich zur Vorsorge, die im Februar wieder geplant ist. Bisher war alles in Ordnung, und ich denke, das wird weiterhin so sein. Wissen aber kann ich es nicht. Schließlich ist die letzte Untersuchung fast ein Jahr her, und in der Zwischenzeit kann sich viel bilden. Ein Knoten könnte außerdem so klein sein, dass er jetzt den tastenden Fingern entgeht, aber im Frühling mein Leben ernsthaft bedroht.

Was ist mit Darmkrebs?  Ich konnte nichts besonderes feststellen, aber  manchmal habe ich ein paar Bauchprobleme, die ich immer auf  Ernährungssünden,  Verwachsungen o. Ä. geschoben habe.  Aber kann sich nicht  längst ein Tumor entwickelt haben? Auch Magenkrebs ist in meinem Alter gar nicht selten; könnte das Sodbrennen nach der Weihnachtspute schon ein erstes Anzeichen dafür gewesen sein?

Mein Kopfschmerz nach einem langen Tag: Symptom eines Hirntumors? Ein  leichter Schwindel:  Liegt vielleicht gar nicht an meinem  niedrigen Blutdruck, sondern ist ein Vorbote der multiplen Sklerose?

Ich könnte mich durchs CT schieben lassen (deutliche Strahlenbelastung!) oder zig MRTs anfertigen lassen von allem, was betroffen sein könnte. Ich könnte mein Blut ausgiebig untersuchen lassen, meine inneren Organe spiegeln und meinen Frauenarzt bitten, besonders sorgfältig zu untersuchen. Wenn dann alles in Ordnung ist, habe ich immer noch keine Sicherheit, weil z. B. ein kleiner Bauchspeicheldrüsentumor schon übermorgen zu wachsen anfangen könnte.

Als Ärztin kenne ich Hunderte von ernsten Krankheiten, und bin doch gelassen. Zweimal hat es mich ernsthaft erwischt. Und? Das gehört zum Leben dazu! Ich bin klug genug, zu den vorgeschriebenen Untersuchungen zu gehen, nicht zu rauchen und mich vernünftig (kleine Sünden ausgenommen) zu ernähren. Aber ich habe in keiner Sekunde Angst um meine Gesundheit oder mein Leben. Wenn ich krank werde, bin ich erst sauer, weil mich das bremst. Dann aber stelle ich mich darauf ein und mein Leben auf den Prüfstand. Anschließend bin ich ein kleines bisschen klüger als vorher.

Morgen kann ein Unfall mein Leben beenden. Im Februar kann ich im Rollstuhl aus dem Skiurlaub kommen. Das Leben ist nun mal lebensgefährlich, aber es macht mir keine Angst.

Ich wünsche allen, dass sie lernen, jeden Tag zu genießen, an dem sie gesund sind, und dass Sie kleine Missempfindungen oder Schmerzen nicht als Drama empfinden. Lesen Sie nicht, was alles passierern könnte... Am Ende erwischt uns alle der Tod, und manche von uns auf völlig überraschende Weise. Warum soll ich vorher darüber nachgrübeln? Der Tod ist nur eine Tür in ein anderes Leben, davor braucht man sich nicht zu  fürchten.  Bis dahin sollten wir dieses Leben auskosten!






von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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