Sonntag, 13. januar 2008
Gestern war ich am Niederrhein, um  die Mitarbeiter einer großen zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis fit für den Notfall zu machen. Solche Seminare halte ich schon lange; wer sich dafür interessiert: www.reanimed.de ist die Anlaufadresse.

Wir haben das Credo: "So einfach wie möglich!"   Erst habe ich dem ganzen Team erklärt, was man macht, wenn ein Patient z. B. einen Herzinfarkt oder Zuckerschock bekommt. Nachher gab es praktische Übungen zur Herzdruckmassage und Beatmung. Übrigens: Nun heißt es 30 mal auf die Brust drücken und dann erst zweimal beatmen! Viele drücken viel zu langsam... Das liegt wohl an den "Vorbildern" im TV, die das auch sehr lässig praktizieren. Hundert Mal in der Minute muss man drücken! Die gute Nachricht: Wer keinen Beatmungsbeutel zur Hand hat, wenn er zu einem Notfall kommt (und wer hat das schon?), kann sich auf die Herzdruckmassage beschränken. Das ist immer besser als gar nichts und hilft schon einen ganze Menge.

(Zahn)Arztpraxen, Sportclubs und Hotels allerdings sollten sich einen guten Notfallkoffer leisten und das entsprechende Training dazu. Auch dieses Praxisteam hat sich gefreut, dass man mit ein paar Kenntnissen wirklich Leben retten kann, ohne dass man Spritzen geben oder mit Dutzenden von Medikamenten jonglieren muss. Auch die jüngste Azubi konnte nach dem Vormittag eine gute Beatmung und perfekte Herzdruckmassage. Spaß hatten wir natürlich auch: Wer hebt nicht gerne mal seine Chefin im Rautek- Griff aus dem Zahnarztstuhl? Das nur am Rande: Man kann weder auf dem Behandlungsstuhl, noch auf Bett oder Sofa eine Herzmassage machen; der Patient muss immer auf den Boden! Auch das sieht im TV oft anders aus.

Spannend war für  meine Sanitäter und mich wieder einmal der Notfallkoffer (immerhin hatte diese Praxis einen, der sogar neu war). Sauerstoff gab es in einer Apparatur, deren Einzelteile nicht nur mit Zellophan verklebt waren, sondern die auch keiner zu bedienen vermochte. Darum: Wer einen Notfallkoffer hat, muss allen Mitarbeitern zeigen, wie er funktioniert! Versteht der Chef das selber nicht, ist Schulungsbedarf. Wir haben jedenfalls Überflüssiges entsorgt und Sinnvolles (wie Herzspray) hinzugefügt. Natürlich wird jetzt eine Helferin darauf achten, dass alle Medikamente noch haltbar sind und die Geräte in gutem , gebrauchsfertigen Zustand. Im Notfall hat man keine Zeit, Anleitungen zu studieren und Geräte aus Plastikhüllen zu ziehen.

Wir sind zufrieden wieder nach Hause gefahren. Wieder eine Zahnarztpraxis, in der man gut aufgehoben ist, wenn man sich nicht gut fühlt! Was nützt es denn, wenn Chef oder Chefin ein bisschen helfen können.... Ohne Team  kommt man nicht weit.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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