Samstag, 5. januar 2008
Ich kaufe gern in dem Markt direkt neben meiner Praxis ein, und treffe dort natürlich oft auf meine Patienten.  So sehr ich versuche, einfach nur privat  zu sein, so wenig gelingt es mir beim Blick in ihre Einkaufswagen. Highlights gibt es da wenige: Gekauft wird weißes Toastbrot, Mett, Hackfleisch, Paniertes,  Frittiertes , Alkoholisches, Tabak und Süßes. 

Herr Metzger hat ja sehr unverblümt von der schlechten Ernährung "der" Harz IV- Empfänger gesprochen. Solche Verallgemeinerungen sind zwar unfair, aber meine Erfahrungen sind ähnlich: Je weniger Geld zur Verfügung steht, umso ungesunder scheint mir der Lebensstil zu sein.

Warum hat meine Harz- IV- Familie Geld für Tabak und Kinderüberraschungseier, kauft aber kein frisches Gemüse oder Obst? "Teuer" ist keine Ausrede: Kohlrabi und Karotten gibt es zur Zeit wirklich "saubillig". Kartoffeln sind billiger als Pommes, aber ich sehe sie in KEINEM Einkaufskorb ärmerer Mitbürger.  Auch keinen frischen Quark, mit dem man herrliche Gerichte zaubern kann (z. B. mit gekochtem Ein drin und Radieschen). Warum teures "Golden Toast"- Brot statt des preiswerteren Vollkornbrotes?  Warum keine der 25- Cent-Sonderangebotsjoghurts im Korb, aber die Zigarettenpackung?

Ich wünsche mir Kurse in Familienbildungsstätten, wo Haushalten und gutes Kochen mit preiswerten Zutaten gelehrt wird. Viele wissen einfach nicht, wie das geht.

Den Kopf aber schüttel ich über die (eigentlich geschulten) Diabetiker, in deren Einkaufswagen Berge von Weißmehlprodukten, Zuckerzeug, Limo und Paniertem liegen. Einmal konnte ich mir einen Kommentar an meine zuckerkranke Patientin nicht verkneifen. Ihre Antwort: "Das ist alles für meinen Mann!". Da konnte ich nur zurückgeben: "Wollen sie den umbringen?"


von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Kommentare

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Da können Kurse anscheinend auch kaum etwas ausrichten, siehe Ihre zuckerkranke Patientin, die sicherlich Ernährungskurse im Krankenhaus oder bei der Reha erhalten hatte. Warum ist das so?
Sind diese Menschen zu bequem? Haben sie aufgegeben? Oder sind sie von der Werbung verführt?
Neulich sah ich, wie eine Mutter ihr ca. 2-jähriges Kind mit Keksen fütterte. Nun erklären Sie mal dem Kind, dass es schädlich ist, sich mit Süßigkeiten vollzustopfen und nehmen ihm die Kekse weg. Ich wette, dieses Kind ist bereits abhängig vom schnellen „Genuss“, der sofortige Sättigung und scheinbare Zufriedenheit bringt, und der auch mit Mamas Freundlichkeit gekoppelt ist. Kann man diese Spur jemals wieder „auslöschen“?
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: Gabi M. am: 5.01.2008 22:45:40
Abgesehen davon, dass auch gute Lebensmittel günstig zu kriegen sind: Viele moderne Krankheiten wie Zucker oder Bluthochdruck kann man sehr schnell und effektiv bekämpfen, habe ich selber erlebt. Habe meinen Bluthochdruck (war bei 180 zu 120) innerhalb von 2 Jahren auf einen Wert von 110 zu 70 gedrückt, dabei abgenommen und bin fit geworden. Das war keine besondere Tat oder ein Wunder, ich habe einfach keine Chips oder Süsses mehr gegessen, dafür mehr Gesundes wie Müsli, viel Obst, wenig Fleisch... halt einfach das, was allgemein auch als gesund gilt. Kann meiner Meinung nach jeder schaffen. Aber wenn ich dann manche Menschen sehe (bei mir in der Verwandschaft gibt es auch einen Fall): Übergewicht, Rauchen, Diabetes: anstatt Abzunehmen werden lieber die Tabletten gegen den Zucker genommen. Das ist ja einfacher und erfordert keine persönliche Verantwortung sich selber gegenüber.
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: Meik Nießing am: 6.01.2008 12:01:10
Tja, und die Tabletten wandeln den Blutzucker in Körperfett um: Dann sinkt zwar der Zucklerspiegel, aber man nimmt zu. Das ist das Fatale! Durch das Übergewicht hat man immer mehr Hunger, braucht für die aufgenommene Nahrung immer mehr Tabletten (und später Insulin), die einen aber imme rwieter zunehmen lassen. Dass an Diät kein Weg vorbeiführt, sehen nur wenige ein.

Fairerweise muss man aber auch zugeben, dass manche Leute schneller zunehmen als andere. Es gibt wirklich gute und schlechte Futterverwerter! Ich habe Patienten, die einfahc nicht zunehmen, obgleich sie kalorienreich essen, und andere, die nur mit 1500 kca. täglich auskommen. Wenn die mal ein Glas Bier trinken oder naschen, landet es sofort auf der Hüfte.
Antwort von: Dr. Frauke Höllering (Website) am: 6.01.2008 12:36:50

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  • : Dr. Frauke Höllering
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