Ich kaufe gern in dem Markt direkt neben meiner Praxis ein, und treffe dort natürlich oft auf meine Patienten. So sehr ich versuche, einfach nur privat zu sein, so wenig gelingt es mir
beim Blick in ihre Einkaufswagen. Highlights gibt es da wenige: Gekauft wird weißes Toastbrot, Mett, Hackfleisch, Paniertes, Frittiertes , Alkoholisches, Tabak und Süßes.
Herr Metzger hat ja sehr unverblümt von der schlechten Ernährung "der" Harz IV- Empfänger gesprochen. Solche Verallgemeinerungen sind zwar unfair, aber meine Erfahrungen sind ähnlich: Je weniger
Geld zur Verfügung steht, umso ungesunder scheint mir der Lebensstil zu sein.
Warum hat meine Harz- IV- Familie Geld für Tabak und Kinderüberraschungseier, kauft aber kein frisches Gemüse oder Obst? "Teuer" ist keine Ausrede: Kohlrabi und Karotten gibt es zur Zeit wirklich
"saubillig". Kartoffeln sind billiger als Pommes, aber ich sehe sie in KEINEM Einkaufskorb ärmerer Mitbürger. Auch keinen frischen Quark, mit dem man herrliche Gerichte zaubern kann (z. B.
mit gekochtem Ein drin und Radieschen). Warum teures "Golden Toast"- Brot statt des preiswerteren Vollkornbrotes? Warum keine der 25- Cent-Sonderangebotsjoghurts im Korb, aber die
Zigarettenpackung?
Ich wünsche mir Kurse in Familienbildungsstätten, wo Haushalten und gutes Kochen mit preiswerten Zutaten gelehrt wird. Viele wissen einfach nicht, wie das geht.
Den Kopf aber schüttel ich über die (eigentlich geschulten) Diabetiker, in deren Einkaufswagen Berge von Weißmehlprodukten, Zuckerzeug, Limo und Paniertem liegen. Einmal konnte ich mir einen
Kommentar an meine zuckerkranke Patientin nicht verkneifen. Ihre Antwort: "Das ist alles für meinen Mann!". Da konnte ich nur zurückgeben: "Wollen sie den umbringen?"
von Dr. Frauke Höllering
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Sind diese Menschen zu bequem? Haben sie aufgegeben? Oder sind sie von der Werbung verführt?
Neulich sah ich, wie eine Mutter ihr ca. 2-jähriges Kind mit Keksen fütterte. Nun erklären Sie mal dem Kind, dass es schädlich ist, sich mit Süßigkeiten vollzustopfen und nehmen ihm die Kekse weg. Ich wette, dieses Kind ist bereits abhängig vom schnellen „Genuss“, der sofortige Sättigung und scheinbare Zufriedenheit bringt, und der auch mit Mamas Freundlichkeit gekoppelt ist. Kann man diese Spur jemals wieder „auslöschen“?