Ich verbringe Stunden und Tage damit, meine Patienten davon zu überzeugen, dass sie gesünder leben sollen. Nicht rauchen, ihren Cholesterinspiegel ok halten, sich bewegen, ihre
Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes gut einstellen zu lassen. Oft "predige" ich in den Wind, weil es viel einfacher für die Betroffenen ist, so weiter zu machen wie bisher.
Jetzt hat mich wieder ein Mann besucht, der an Bluthochdruck und Diabetes erkrankt ist, und viel zu selten gekommen ist. Er nahm die Medizin nicht regelmäßig, hielt seine Diät nicht ein und rauchte
obendrein. "Mir geht es doch gut!", sagte er, "ich spiele jede Woche noch Tennis!". Doppel, aber immerhin, er ist schon Anfang sechzig.
Eine Weile habe ich ihn nicht gesehen, nun ist er wieder da: Mit einer Halbseitenlähmung nach Schlaganfall. Mühsam geht er an Gehstützen. "Hätte er doch auf mich gehört!" denke ich wieder einmal...
Von einem "Ätsch, hab ich es doch gesagt!" bin ich weit entfernt. Eher enttäuscht statt schadenfroh, denn dieses Schicksal musste nicht sein. Jetzt ist nicht nur Schluss mit Tennis, sondern
mit der Arbeit, dem Reisen und vielen anderen schönen Dingen.
Noch schlechter geht es jenen, die nach vielen Raucherjahren an Lungenkrebs erkranken. "Sie haben es ja gesagt!", meinen sie dann bedrückt, aber ich fühle mich weit weg vom Triumph. Auch hier sehe
ich es als Niederlage, dass es mir nicht gelungen ist, vorzubeugen. Schlimm ist, dass manche schon in den Vierzigern so schwer erkranken.
Ich wünsche mir, dass alle Patientinnen und Patienten verstehen, dass sie nicht MIR, sondern ihnen selbst zu Liebe auf sich aufpassen und pfleglich micht sich umgehen sollen! Wieviel Kummer könnte
ihnen erspart bleiben.