Dienstag, 1. januar 2008
Es war, wie ich gehofft hatte: Gegen Abend wollte keiner mehr etwas von mir, so dass ich gemütlich mit meinen Freunden essen konnte.  Sie tranken Sekt  und Rotwein, ich blieb alkoholfrei, und es war trotzdem fröhlich. gegen 22 Uhr klingelte mein Handy: Ein älterer Herr hatte Probleme mit einem Katheter, der schon seit Mittag verstopft war. Ich, gut gelaunt, verkniff mir die Frage, warum man sich erst jetzt darum kümmerte. Weil in unserem Freundeskreis der Leiter der Urologie des zuständigen Krankenhauses war, stimmte ich das weitere Vorgehen mit ihm ab, obgleich er nicht im Dienst war.

Soweit, so gut, aber die Ehefrau wünschte den Professor zu sprechen. der aber lehnte ab, weil nicht im Dienst war und mitten beim Festessen.I ch war schon im Begriff, zum Patienten zu fahren. Da hörte ich mir die ersten zickigen Kommentare am Telefon an. Im Hause des Patienten ging es genauso weiter. Schnell wurde ich aufgeklärt, dass die Tochter des Hauses Juristin sei und sich an die Ärztekammer wenden würde, wenn ich nicht willfährig das täte, was man wünschte; nämlich die Einlieferung in ein anders Krankenhaus (wegen des urologischen Chefs, der nicht in der Sylvesternacht mit einer Angehörigen sprechen wollte, weil er fähige Ärzte in seiner Klinik hatte). Das hatte keine urologsche Abteilung, also lehnte ich ab. Gleichzeitig bat ich, sich doch in der Diskussion an geltende Höflichkeitsregeln zu halten. Oha! Das wäre immerhin ihr Haus, zischte die Tochter, und ich hätte nur meinen Job zu tun.

Ich hatten den armen, verwirrten Patienten schon untersucht und die Einweisung ins richtige Krankenhaus geschrieben. Begleitet von weiteren giftigen Kommentaren von Mutter und Tochter verließ ich das Haus, darüber grübelnd, wie der arme, liebe und verwirrte Patient in einer solchen Familie wohl leben würde. Gleich anschließend wurde ich zu einer reizenden alten Dame mir liebevollen Angehörigen gerufen; das war ein guter Kontrapunkt!

Patienten können sich bei der Ärztekammer über mich beschweren. Wo kann ich mich eigentlich über unverschämte Angehörige (oder Patienten) beschweren, die Dienst habende  Ärzte als Marionetten des eigenen Egos und willfährige Sklaven sehen, denen man nicht höflich, geschweige denn freundlich begegnet?
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (2)    Trackback erstellen empfehlen
Voir tous les articles

Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

Über diesen Blog

Kalender

Oktober 2008
M D M D F S S
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
<< < > >>

Freitext

Bookmark bei Mister Wong Bookmark bei Del.icio.us Bookmark bei Digg Bookmark bei Blinklist
Bookmark bei Technorati Bookmark bei Newsvine Bookmark bei Furl Icons von Blog-Marketing

Feeds

  • Flux RSS des articles
 
Blog : Sport auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden