Freitag, 28. dezember 2007
In diesem Jahr liegen ja die Feiertage so günstig, dass wir nur Donnerstag und Freitag Sprechstunde halten müssen. Für die anderen Tage gibt es einen geregelten Notdienst. Meine Kollegin und ich
haben uns diese beiden Tage schwesterlich geteilt; gestern war sie dran, heute bin ich es und vertrete sie.
Mich erwartete ein Stapel von Mitteilungen meiner anderen "Kolleginnen" und "Kollegen": Sie seien an diesen beiden Tagen nicht in der Praxis. Andere ließen einfach ihre Praxis zu, ohne
eine Mitteilung zu machen. Auf ihren Anrufbeantwortern heißt es lapidar: "Vertretung durch die anwesenden Ärzte ". Das Ergebnis: Ich habe heute elf Ärzte vertreten! Außer mir macht noch ein
einziger anderer Sprechstunde. Natürlich kamen auch noch aus der Nachbarstadt Patienten, deren Ärzte sich vorzeitig ins Jahresende verabschiedet hatten.
Gute Nacht, Kollegialität! Früher verständigte man sich so, dass jeder einen oder mehrere namentlich benannte Vertreter angab, der vorher kontaktiert wurde und (natürlich) sein Einverständnis gab.
Jetzt hauen anscheinend alle ab und scheren sich nicht darum, dass die Arbeit auf (zu) wenigen hängen bleibt. Davon abgesehen, haben wir alle unsere Budgets erschöpft, aber ich muss natürlich die
nötigen Untersuchungen und Medikamente trotz allem "spendieren".
Auch die Patienten sind sauer. Manche haben in mehreren Praxen angerufen, bis sie herausgefunden hatten, wer da ist. das macht besonders viel Spaß, wenn man Noro- Virus- geschüttelt oder anders
erkrankt nicht bei Kräften ist.
Ich habe noch Glück gehabt, dass sich die Hausbesuche in Grenzen hielten, sonst wäre ich gar nicht fertig geworden. Aber nun muss ich nochmal los: Ohne Sprechstunde von vier bis sechs Uhr wird es
nicht gehen. Dabei habe ich heute morgen über 70 Patienten gesehen..... Schöne neue egoistische Welt!
von Dr. Frauke Höllering
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