Mittwoch, 19. dezember 2007
. Die WHO hat "Gesundheit" mal als "völliges geistiges und körperliches Wohlbefinden" deklariert. Unserer Regierung suggeriert uns, dass das nicht nur erstrebenswert sei, sondern dass wir einen Anspruch darauf hätten.

Das Ergebnis:
Viele Leute lassen jedes Zwacken, jede Unregelmäßigkeit ihres Körpers vom Arzt kontrollieren. Sie nehmen sich die Freiheit, auch bei Lappalien diverse Fachärzte einzuschalten, und deren Diagnosen gern noch von einigen Fachkollegen  gegenzuprüfen, wenn  nichts Weltbewegendes gefunden wurde.  Im Extremfall wird verlangt, zum "Durchchecken" ins Krankenhaus überwiesen zu werden; dabei  bedarf man nicht der Pflege, sondern will nur all das, was auch ambulant gemacht werden kann, an einem Ort und wiederholt in Anspruch nehmen.
Wer in der Nacht unter Kopf- , Bauch- oder Zahnschmerzen leidet, holt weder Wärmeflasche noch Kühlakku, sondern den Arzt. Schließlich steht ja immer einer in Bereitschaft (dass der morgens wieder in die Praxis muss, wird gern vergessen). Wer den hausärztlichen Notdienst nicht kennt oder ihm nichts zutraut, ruft gleich Rettungswagen und Notarzt (kostet ca 1500 €) , auch wenn das Krankheitsbild das nicht erfordert. Gleichzeitig werden immer wieder Betrunkene mit dem Rettungswagen "geborgen" und "zum Entgiften" ins Krankenhaus gebracht. Sanitäter und Notärzte kennen ihre "Pappenheimer", die solche Trips mehrfach im Monat wahrnehmen.

Natürlich gibt es auch sehr viele Patienten, die verantwortungsbewusst mit den Ressourcen umgehen und nur im echten Notfall sofortige ärztliche Hilfe suchen. Aber die anderen tragen eine Teilschuld daran, dass die Krankenkassenbeiträge ständig steigen und die Ärzte ausgelaugt sind!

Während ich schreibe, habe ich einen leichten Kopfdruck, der bald von selber verschwinden wird. Ich weiß nicht, ob ich eine von 10 Frauen bin, die an Brustkrebs erkranken wird, und ob es schon heimlich losgegangen ist. Mein Rücken könnte etwas weniger verspannt sein, meine Gelenke schmerzen manchmal, und hin und wieder bin ich schlaflos. Na und? Gehört das nicht zum Leben dazu?

Wir sollten uns regelmäßig zu den vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen einfinden, aber Befindlichkeitsstörungen hinnehmen. Wir können durch Änderung der Lebensführung, mehr Sport, gesünderes Essen allerlei selber in den Griff kriegen. Wir sollten nicht aus lauter Angst vor schweren Erkrankungen krank werden; falls sie auftreten, können wir uns immer noch Gedanken machen. Ein paar Arzneimittel gegen Kopfschmerzen oder Durchfall gehören in die Hausapotheke; der Notarzt sollt enur im echten Notfall gerufen werden, damit er nicht an anderer Stelle bitter fehlt, während er mit Lappalien beschäftigt ist.

Lebensfreude, Vertrauen ins eigene Schicksal, gesunde Lebensführung und sinnvolle Vorsorge helfen, gesund zu bleiben. Krankheit kann als Aufforderung zum Innehalten gesehen werden... Man hat einfach mal Zeit, über das nachzudenken, was echt wichtig ist, und zum Ausruhen. Wir haben kein Recht auf perfektes Funktionieren unseres Körpers, und Krankheit gehört zum Leben dazu wie Schatten zum Licht!

Mein Beruf ist immer noch der schönste der Welt... Aber in Afrika zu arbeiten, war irgendwie erfüllender.





von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
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  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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