Montag, 17. dezember 2007
... muss ich als Ärztin hin und wieder sein.
Letzte Woche stürmte eine "mittelalterliche" Frau wier üblich an die Rezeption, um in Eile ein paar Überweisungen abzuholen. Mein Kollege, an den sie sich sonst wandte, war nicht da. Ich schaute in
die Kartekarte und stellte fest, dass sie seit 2 Jahren ständig alle möglichen Überweisungen holte, sich aber nie untersuchen ließ. Heute wollte sie auch noch ein Medikament gegen
Rückenschmerzen.
Ich bat sie ins Sprechzimmer und erklärte ihr, dass wir keine "Überweisungs- Kasperle" seien, sondern im Rahmen ihres Barmer- Hausarztvertrages auch verpflichtet seien, sie zumindest alle 2 Jahre
zu untersuchen. Auch woltle ich mir ihren Rücken ansehen, da sie einen Rezeptwunsch hatte, und wissen, mit welchen Gründen sie all die Fachärzte aufsuchte.
Angewidert zischte sie mich an: Sie sei alt genug, um selber zu entscheiden, wann sie eine Untersuchung haben müsse und wann nicht. Sie hätte es nicht nötig, sich hier bedrängen zu lassen,
schließlich sei sie gesund. Ich sollte ihr nun zügig Rezept und Überweisung geben und sie in Ruhe lassen.
Ich schluckte, riss mich zusammen und blieb höflich. Als "betreuende Hausärzte" läge es in unserer Pflicht, Befunde zu erheben, wenn über Schmerzen geklagt würde., sagte ich freundlich. Auch wäre
ein regelmäßiger Check Up sinnvoll, um später lästige Krankheiten zu verhüten. Ihre Antwort ist nicht zitierfähig. Unter einem hässlichen Wortschwall verließ sie Sprechzimmer und Praxis, nicht ohne
heftigst mit den Türen zu knallen. Dabei hatte ich ihr sogar eine weitere Überweisung zum Orthopäden ausgestellt, damit der sie angemessen untersuche und behandle.
Taja... Wenn 2008 die Kopfpauschalen kommen, wäre diese Patientin ideal! Für die Pauschale müsste ich nur ein paar Zettel ausfüllen, und die Betreuung würden die Fachärzte übernehmen. Für meinen
eigenen Anspruch aber möchte ich auf diese Patientin verzichten. Solche Typen sind Schuld daran, dass die Fachärzte überfüllt sind mit Patienten, die eigentlich gar nicht so krank sind, und keine
Zeit für jene haben, die wirklich einen Spezialisten brauchen. Ich werde der Barmer mitteilen, dass diese "Dame" einen anderen Hausarzt brauchen wird.
Solche hässlichen Begegnungen muss man schnell vergessen, sonst gefriert einem das Lächeln für den "Nächsten" zu einer Maske!