Mittwoch, 5. dezember 2007
Gestern hatte ich Notdienst.  Bei uns in der Kleinstadt gibt es  am Mittwochnachmittag und am Wochenende einen offiziellen Dienst, den wir Niedergelassenen uns teilen.  In diesen Diensten müssen wir in unserem Bezirk bleiben und dürfen keine Patienten in der Nachbarstadt besuchen, auch wenn sie  gerne durch uns behandelt werden möchten (vielleicht sogar unsere Patienten sind). Unter der Woche (wie gestern, Dienstag)  habe ich mich mit einigen Kollegen zusammengeschlossen, die sich gegenseitig vertreten. Gestern  war ich also zuständig  auch für deren Patienten.

Zunächst musste ich mich in der Nachbarstadt um einen alten Herrn kümmern, der zwar in der Nachbarstadt wohnt, aber einen Hausarzt aus meiner Stadt hat, den ich vertrat. Am Wochenende wärer der Notdienst der Nachbarstadt zuständig gewesen, als "kollegiale Vertretung" aber war ich dran.

Soweit, so lästig. Dann klingelte kurz vor Mitternach das Telefon. Einer alten Lady aus meiner Stadt ging es schlecht. Ihr Hausarzt aber ist in der Nachbarstadt und hat einen eigenen Zirkel von Kollegen, die ihn vertreten. Darum musste die dort Dienst habende Hautärztin von dort "anreisen", um die Dame zu versorgen. Ich war, ehrlich gesagt, froh, dass ich dort nachts nicht hin musste. Aber einfacher wäre es doch gewesen, und besser auch, da Hausärzte mehr von schweren Infekten verstehen als Hautärzte.

Um das Chaos komplett zu machen, hatte der Hausarzt der alten Dame seinen Anrufbeantworter falsch besprochen: Mit der Nummer seiner Notdienstzentrale fürs Wochenende, die unter der Woche allerdings nicht zu erreichen ist.  Irgendwann kam man auf meine Nummer, ich bekam über den Rettungsdienst heraus, wer in der Nachbarstadt zuständig ist, dann wurde dort angerufen. Kann mit noch jemand folgen???

Ich träume von EINEM zentralen Notdienst mit einer Nummer für 7 Tage a 24 Stunden für uns und unsere Nachbarstadt, die mit uns zusammengewachsen ist! Den Notdienst kann dann versehen, wer Lust hat. Ich habe keine; dieser Nervkram hat meinen Adrenalinspiegel so hoch gepusht, dass ich erst gegen Morgen eingeschlafen bin, obgleich dann (zum Glück!) keiner mehr anrief.

Und die Patienten? Wären gewiss auch froh, wenn alles ein wenig einfacher wäre! Nicht, dass sie vor lauter Frust noch den teuren Rettungswagen mit Notarzt rufen, weil sie sich deren Nummer 112 so leicht merken können. Auch, wenn es gar nciht nötig wäre. Dann würde es richtig teuer!









von Dr. Frauke Höllering
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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