Mittwoch, 5. märz 2008
Neulich schrieb ich, dass  uns Hausärzten manchmal die Wertschätzung der Öffentlichkeit fehlt.

Leider  ist es nicht nur so, dass manche Politiker oder Privatleute  uns nicht richtig für voll nehmen, sondern auch einige unserer fachärztlichen Kollegen verhalten sich manchmal abfälliger, als es angemessen wäre.

Das geht schon mit der Unterscheidung "Hausarzt - Facharzt" los. So ein Quatsch! Ich bin Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin, eine Ausbildung, die mit mindestens 5 Jahren Weiterbildung inklusive Facharztprüfung der der anderen Ärzte in keiner Hinsicht nachsteht. Ich habe Blinddärme operiert, Herzinfarkte behandelt, Babies untersucht und  über 100 Entbindungen eigenständig betreut, darunter Zwillige und Beckenendlagen. Ich habe eine Intensiveinheit in einem krankenhaus betreut und bin seit 1987 regelmäßig als Notärztin unterwegs gewesen. 

Bei Verkehrsunfällen war ich  als erstversorgende Notärztin hoch angesehen, in der Chirurgie für meine schonenden Eingriffe beliebt. Muss ich jetzt als Hausärztin den Ausputzer für Krankenhauschirurgen spielen, die ihre Patienten zu früh entlassen und auf mich als Hausärztin hochnäsig herabsehen?

Nicht nur im Rettungswesen, sondern auch in meinen vielen Klinik- und Praxisjahren habe ich Menschenleben gerettet und als Stationsärztin der inneren Medizin auch unsere Intensiveinheit mitbetreut. Muss ich mich jetzt von Patienten fragen lassen, ob ich davon auch was verstehe, ich sei doch "nur"  Hausärztin?

Ich habe in Afrika in der Klinik in der Geburtshilfe gearbeitet, aber auch im Urwald in einer kleinen Station, nur auf mich und meine Krankenschwester angewiesen. Soll ich weniger wert sein als ein Frauenarzt, der irgendwo seine Praxis betreibt?

Am meisten ärgert mich, dass viele Patienten glauben, im Krankenhaus die besseren Ärzte vorzufinden. Dabei sind die Assistenten, auf deren Schultern die tägliche Arbeit ruht, meist erst einige Jahre (wenn überhaupt!) mit dem Studium fertig. In der Ambulanz trifft man auf wirklich "grüne Jungs und Mädels", die frisch von der Uni kommen. Wie kann man auf die Idee kommen, hier besser aufgehoben zu sein als bei einem gut ausgebildeten Hausarzt, der mindestens 4 Jahre Ausbildung plus Facharztprüfung nachweisen muss, bevor er sich niederlassen darf?

Zum Glück ist die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten unseres Krankenhauses, aber auch mit den meisten Fachkollegen hier vor Ort kollegial. Aber manchmal passiert es eben doch, dass ein Spezialist seine Patienten zu uns schickt, damit wir ihm die Medikamente verordnen, die er nicht auf sein Budget nehmen will. Oder er lässt ihn durch seine ganze Technik laufen, und wenn ihm nichts mehr einfällt (oder es nichts mehr zu verdienen gibt), sagt er, der Hausarzt solle nun weitermachen, er könne nichts mehr tun. Beides lasse ich mir nicht gefallen. Wenn der Patient beim Spezialisten in Behandlung ist, muss der die entsprechenden Medikamente auch verschreiben, und sich so lange um ihn kümmern, bis es ihm wirklich besser geht. Dafür greife ich dann auch schon mal zum Telefon, um meinem Herzen Luft zu machen!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
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  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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