Montag, 3. märz 2008
So titelte die "Welt am Sonntag"  und wollte von ihren Leserinnen und Lesern wissen, warum das so ist.

Teilweise wurde in den Antworten am gestrigen Sonntag Altbekanntes geschrieben: Dass man für 30 bis 45 Euro pro Qartal (je nachdem, wo man niedergelassen ist) seine Patienten nicht ordentlich behandeln kann, oder dass der Schlüssedldienst für seinen Besuch 75 Euro nimmt, der Hausarzt aber nur 25 Euro bekommt.

Eine Zuschrift aber stimmte mich nachdenklich und ärgerlich: Das schrieb ein Leser, dass wir Hausärzte ein Vielfaches dieser Summen ausgeben: Für Medikamente, Heilmittel, Hilfsmittel. Soweit, so richtig. Sollen wir unsere Patienten unversorgt lassen? Weiter aber hieß es wörtlich: "Ein riesiger Kostenblock wird durch Einweisungen ins Krankenhaus und Überweisungen zu Fachärzten veranlasst".

Das Ganze las sich für mich so, als würden wir Hausärzte das Geld der Kassen leichtsinnig verschleudern. Dabei ist es genau andersherum: Wenn man erst uns aufsucht, und nicht gleich zum Facharzt geht, wird es meistens preiswerter! Wir kennen unsere Patienten, wir untersuchen sie körperlich, wir fahren nicht gleich den ganzen Maschinenpark hoch. Wie sind der Meinung, dass die Spezialisten nicht mit banalen Erkrankungen beschäftigt werden sollten, damit sie Zeit für jene kniffeligen Fragestellungen haben, für die sie sich fortgebildet haben. Wer von seinem Hausarzt zum Facharzt überwiesen wird, kann sicher sein, dass es mit einer konkreten Fragestellung und nach erster Abklärung geschieht. Das SPART Unsummen!

Zu den Einweisungen ins Krankenhaus kann ich nur fragen: "Wer sind denn die Ärztinnen und Ärzte, von manchen zynisch ´Treppenterrier´genannt, die kranke und immobile Patienten zu Hause versorgen, damit sie NICHT ins Krankenhaus müssen? Wer verschreibt und überwacht denn häusliche Pflege, nimmt Blut ab und verbindet im eigenen Zuhause? Wir tun das! Wenn Spezialisten den Wochenenddienst versehen, landen viel mehr Patienten in der Klinik, weil viele Fachärzte ohne Technik hilflos sind.  Ergänzend muss man von sog. "blutigen Entlassungen" wissen: Hier geht es um Patienten, die kurz nach Operationen schon nach Hause geschickt werden mit der Aufforderung, sich beim Hausarzt weiterversorgen zu lassen. Und wir sind dann die Doofen, die (oft unbezahlt)  über Land fahren, und das brav tun. Wir können das auch, denn die Ausbildung zum Allgemeinarzt umfasst eine chirurgische Pflichtzeit.

Das ist für mich einer der wichtigsten Gründe, nicht mehr sehr glücklich in Deutschland zu sein: Nicht nur viele Politiker (allen voran Ulla Schmidt), sondern auch viele anderen Menschen haben die Wertschätzung für unseren Beruf verloren. Meine Patienten zum Glück aber nicht. Darum bin ich noch hier!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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