Dienstag, 15. januar 2008
Liebe Leserinnen und Leser,


in meinem Blog habe ich die "Newsletter" Funktion- aktiviert. Ein netter Mitblogger (Danke, Herr Schley!) hat mich darauf hingewiesen, dass die Newsletter- Abonnenten eine automatische Nachricht bekommen, sobald hier ein neuer Artikel eingestellt wurde. Das ist doch praktisch! Darum: Einfach email- Adresse angeben, schon geht es los. Ich schreibe derzeit zwar (fast) jeden Tag, aber das wird sichere mal weniger, wenn es weniger zu sagen gibt. Wobei: Vielleicht kommen diese Tage nur, wenn ich im Urlaub bin :-))


Sie werden allerdings keinen zusätzlichen Newsletter bekommen, denn  das, was ich berichtenswert finde, werde ich hier schreiben. Und irgendwann muss ja auch mal Schluss mit der Schreiberei sein .


Ich freue mich, dass Sie hier mitlesen und -schreiben. Viel Spaß weiterhin!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Montag, 14. januar 2008
Nicht erschrecken:  Es gibt keinerlei Anzeichen dafür. Warum schreibe ich dann so eine provozierende  Überschrift? Weil es mir nochmal um die Ängste  vieler Menschen geht.

Hin  und wieder taste ich meine Brust ab, regelmäßig gehe ich zur Vorsorge, die im Februar wieder geplant ist. Bisher war alles in Ordnung, und ich denke, das wird weiterhin so sein. Wissen aber kann ich es nicht. Schließlich ist die letzte Untersuchung fast ein Jahr her, und in der Zwischenzeit kann sich viel bilden. Ein Knoten könnte außerdem so klein sein, dass er jetzt den tastenden Fingern entgeht, aber im Frühling mein Leben ernsthaft bedroht.

Was ist mit Darmkrebs?  Ich konnte nichts besonderes feststellen, aber  manchmal habe ich ein paar Bauchprobleme, die ich immer auf  Ernährungssünden,  Verwachsungen o. Ä. geschoben habe.  Aber kann sich nicht  längst ein Tumor entwickelt haben? Auch Magenkrebs ist in meinem Alter gar nicht selten; könnte das Sodbrennen nach der Weihnachtspute schon ein erstes Anzeichen dafür gewesen sein?

Mein Kopfschmerz nach einem langen Tag: Symptom eines Hirntumors? Ein  leichter Schwindel:  Liegt vielleicht gar nicht an meinem  niedrigen Blutdruck, sondern ist ein Vorbote der multiplen Sklerose?

Ich könnte mich durchs CT schieben lassen (deutliche Strahlenbelastung!) oder zig MRTs anfertigen lassen von allem, was betroffen sein könnte. Ich könnte mein Blut ausgiebig untersuchen lassen, meine inneren Organe spiegeln und meinen Frauenarzt bitten, besonders sorgfältig zu untersuchen. Wenn dann alles in Ordnung ist, habe ich immer noch keine Sicherheit, weil z. B. ein kleiner Bauchspeicheldrüsentumor schon übermorgen zu wachsen anfangen könnte.

Als Ärztin kenne ich Hunderte von ernsten Krankheiten, und bin doch gelassen. Zweimal hat es mich ernsthaft erwischt. Und? Das gehört zum Leben dazu! Ich bin klug genug, zu den vorgeschriebenen Untersuchungen zu gehen, nicht zu rauchen und mich vernünftig (kleine Sünden ausgenommen) zu ernähren. Aber ich habe in keiner Sekunde Angst um meine Gesundheit oder mein Leben. Wenn ich krank werde, bin ich erst sauer, weil mich das bremst. Dann aber stelle ich mich darauf ein und mein Leben auf den Prüfstand. Anschließend bin ich ein kleines bisschen klüger als vorher.

Morgen kann ein Unfall mein Leben beenden. Im Februar kann ich im Rollstuhl aus dem Skiurlaub kommen. Das Leben ist nun mal lebensgefährlich, aber es macht mir keine Angst.

Ich wünsche allen, dass sie lernen, jeden Tag zu genießen, an dem sie gesund sind, und dass Sie kleine Missempfindungen oder Schmerzen nicht als Drama empfinden. Lesen Sie nicht, was alles passierern könnte... Am Ende erwischt uns alle der Tod, und manche von uns auf völlig überraschende Weise. Warum soll ich vorher darüber nachgrübeln? Der Tod ist nur eine Tür in ein anderes Leben, davor braucht man sich nicht zu  fürchten.  Bis dahin sollten wir dieses Leben auskosten!






von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Sonntag, 13. januar 2008
Gestern war ich am Niederrhein, um  die Mitarbeiter einer großen zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis fit für den Notfall zu machen. Solche Seminare halte ich schon lange; wer sich dafür interessiert: www.reanimed.de ist die Anlaufadresse.

Wir haben das Credo: "So einfach wie möglich!"   Erst habe ich dem ganzen Team erklärt, was man macht, wenn ein Patient z. B. einen Herzinfarkt oder Zuckerschock bekommt. Nachher gab es praktische Übungen zur Herzdruckmassage und Beatmung. Übrigens: Nun heißt es 30 mal auf die Brust drücken und dann erst zweimal beatmen! Viele drücken viel zu langsam... Das liegt wohl an den "Vorbildern" im TV, die das auch sehr lässig praktizieren. Hundert Mal in der Minute muss man drücken! Die gute Nachricht: Wer keinen Beatmungsbeutel zur Hand hat, wenn er zu einem Notfall kommt (und wer hat das schon?), kann sich auf die Herzdruckmassage beschränken. Das ist immer besser als gar nichts und hilft schon einen ganze Menge.

(Zahn)Arztpraxen, Sportclubs und Hotels allerdings sollten sich einen guten Notfallkoffer leisten und das entsprechende Training dazu. Auch dieses Praxisteam hat sich gefreut, dass man mit ein paar Kenntnissen wirklich Leben retten kann, ohne dass man Spritzen geben oder mit Dutzenden von Medikamenten jonglieren muss. Auch die jüngste Azubi konnte nach dem Vormittag eine gute Beatmung und perfekte Herzdruckmassage. Spaß hatten wir natürlich auch: Wer hebt nicht gerne mal seine Chefin im Rautek- Griff aus dem Zahnarztstuhl? Das nur am Rande: Man kann weder auf dem Behandlungsstuhl, noch auf Bett oder Sofa eine Herzmassage machen; der Patient muss immer auf den Boden! Auch das sieht im TV oft anders aus.

Spannend war für  meine Sanitäter und mich wieder einmal der Notfallkoffer (immerhin hatte diese Praxis einen, der sogar neu war). Sauerstoff gab es in einer Apparatur, deren Einzelteile nicht nur mit Zellophan verklebt waren, sondern die auch keiner zu bedienen vermochte. Darum: Wer einen Notfallkoffer hat, muss allen Mitarbeitern zeigen, wie er funktioniert! Versteht der Chef das selber nicht, ist Schulungsbedarf. Wir haben jedenfalls Überflüssiges entsorgt und Sinnvolles (wie Herzspray) hinzugefügt. Natürlich wird jetzt eine Helferin darauf achten, dass alle Medikamente noch haltbar sind und die Geräte in gutem , gebrauchsfertigen Zustand. Im Notfall hat man keine Zeit, Anleitungen zu studieren und Geräte aus Plastikhüllen zu ziehen.

Wir sind zufrieden wieder nach Hause gefahren. Wieder eine Zahnarztpraxis, in der man gut aufgehoben ist, wenn man sich nicht gut fühlt! Was nützt es denn, wenn Chef oder Chefin ein bisschen helfen können.... Ohne Team  kommt man nicht weit.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Freitag, 11. januar 2008

... Sie begegnen mir im Netz bei Focus online und in meiner Praxis. Sie sind oft relativ jung und voller Sorge, schwer krank zu sein. Bei Kopfschmerzen fürchten Sie einen Hirntumor, bei Rückenschmerzen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Angst lastet wie eine schwarze Wolke auf Ihnen. Wenn Sie Ihre Beschwerden googeln, kommen Sie auf immer schlimmere Diagnosen und werden noch ängstlicher.

Sehe ich Sie in der Praxis, kann ich einige Bedenken zerstreuen. In der Online- Beratung geht das kaum, schließlich kann ich Sie nicht untersuchen. Sie wünschen sich oft eine (gute) Diagnsoe von mir...  Aber ich kann keine Ferndiagnose stellen, weil meine Kristallkugel das nicht hergibt! Also schreibe ich "wahrscheinlich ist es nichts Schlimmes", aber das reicht Ihnen nicht.

Sie suchen Dutzende von Ärzten auf, "verschleißen" manchmal mehrere aus einem Fachgebiet, weil Sie dem nicht trauen, der keine schlimme Diagnose stellt. Je mehr man Sie untersucht (und das haben Studien bewiesen!) umso mehr Angst bekommen Sie. Sie verschwenden Unmengen ärztlicher und eigener Zeit und Unsummen. Sie belasten sich mit Röntgenbildern, Kontrastmitteln, unangenehmen Untersuchungen.

Sie haben mein ganzes Mitleid, weil Sie Ihr junges (und eigentlich gesundes!) Leben nicht genießen können. Aber ich kann Ihnen nicht helfen, es sei denn, Sie lassen sich auf meinen Rat ein:

Suchen Sie sich einen (!) Hausarzt, dem Sie auch Ihre Ängste anvertrauen, und der mit Ihnen zusammen bespricht, ob ein und welcher Spezialist nötig ist. Lassen Sie sich einen guten Psychotherapeuten empfehlen, der der Ursache für Ihre Ängste aufdeckt und mit Ihnen bekämpft. Lesen Sie nichts über Krankheiten... Sie werden sich noch schlechter fühlen! Treiben Sie Sport, und genießen Sie, was Ihr Körper alles kann. Lernen Sie autogenes Training und entspannen Sie sich mindestens einmal am Tag. Vertrauen Sie in Ihr Schicksal und auf Gott: Egal, was passiert, es gibt immer einen Weg!

Wenn Sie wirklich krank sind, ist das kein Grund, sauer oder besorgt zu sein; der Körper braucht dann einfach eine Auszeit, der Geist endlich Zeit zum Nachdenken. Tut Ihnen z. B. der Rücken weh, freuen Sie sich darüber, wie schmerzfrei der Rest Ihres Körpers ist. Sind Sie ernsthaft erkrankt, nutzen Sie das, um Ihr Leben auf den Prüfstand zu stellen; vielleicht sollten Sie es ganz anders leben! Wundern Sie sich nicht, wenn jeden Tag irgendwas piekt: Das ist schon ab 30 normal und gehört zum Leben dazu!

Krankheit gehört zum Leben wie Schlafen und Essen. Leben Sie gesund, aber lassen Sie nicht Ihre ganzen Gedanken um das kreisen, was nicht stimmt. Genießen Sie lieber, was Sie haben!


von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Donnerstag, 10. januar 2008
Als Stefan Raab auf Kosten der  Schülerin Lisa Loch seine obszönen Witze machte, wurde er erst Recht bestraft. Was er als witzig empfand, war für die Sechzehnjährige erniedrigend und äußerst brutal.

Jetzt allerdings musste ich doch lächeln, als ich in der Zeitung las, dass der  Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte in Westalen Lippe  "Lothar Loch" heißt.  Ich kann mir vorstellen, dass er sich schon allerlei mehr oder weniger witzige Kommentare angehört hat. Zu einem Zahnarzt würde dieser Name auch sehr gut passen!

Ich erlaube mir diesen Beitrag, weil man mit meinem Namen auch Witze machen kann. "Höllenfrau" ist zweifelhaft; "Hölderlin" zuwar dichterisch schmeichelhaft, aber der gute Mann ist in geistiger Umnachtung gestorben. "Höllerich" sagen viele, aber das war Roy Black. De mortuis nihil nisi bene. "Mit dem Ring kam die Hölle" war zu Zeiten einer guten Ehe ein klasse Scherz, ist aber nach einer gütlichen Scheidung nicht mehr witzig.  Schade! Ich habe den Spruch immer gemocht, so lange er absurd war. Meine Söhne wurden zu manchen Zeiten kurz "Hölle" genannt, was sie ihren Kumpels nie krumm nahmen. Ich behaupte einfach: "Himmlische Frauen haben höllische Namen! "

Vorsorglich bitte ich alle, die "Engel" oder ähnlich heißen, um Verzeihung.

von Dr. Frauke Höllering
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Mittwoch, 9. januar 2008
Vor eingen Monaten besuchte  mich  eine Frau mit ihren Töchtern, 10 und 13 Jahre alt, die eine leichte Erkältung hatten. ich wusste nicht recht, warum sie mit ein bisschen Schnupfen eine Praxis aufsuchten. "Ich bin halt ein bisschen ängstlich", sagte die Mutter, "und hätte sie gerne als Hausärztin für meine Töchter".

Jetzt waren die beiden Mädchen alleine da, wieder mit einer leichten Erkältung. Ich wies die Ältere darauf hn, dass sie sich einen Termin für die Jugenduntersuchung  (zwischen 12 und 15 ist die fällig) geben lassen solle. Da erklärte sie mir, dass sie diese beim ihrem Kinderarzt machen wolle. Nachfragen ergab, dass sie und ihre Schwester meistens (!) beim Kinderarzt in Behandlung seien, aber auch bei mir. Immer wieder waren sie wegen etwas Schnupfen oder Heiserkeit beim Arzt gewesen.

So ärgerlich 10 Euro Praxisgebühr auch für den Einzelnen sind: So einen Unsinn verhüten sie! Kinder unter 18 müssen diese ja noch nicht zahlen, darum konnt die Mutter diese beiden  wegen banalster Störungen dauernd zum Arzt schicken. Das verschwendet Zeit und Geld, und ich werde mich mit dem Kinderarzt kurz schließen,  damit  einer von uns die beiden weiter betreut. Sonst werden heillos viel Zeit und Geld verschwendet; auch werden wir der Mutter noch einmal nachhaltig erklären, was man bei einer Erkältung tun kann, bevor man zum Arzt geht.

Die Familie ist vor einem Jahr aus dem Kosovo zugewandert. Wenn jemand daher kommt: Gibt es dort so eine üppige ärztliche Versorgung, dass man wegen jeden Halskratzens einen Doktor in Anspruch nehmen kann?? Kann ich mir kaum vorstellen.....

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Dienstag, 8. januar 2008
Hausbesuche  mache ich nicht so gerne,  obgleich ich Hausärztin bin. Sie  kosten ungeheuer viel Zeit., gerade in unserer ländlichen Gegend.  Gestern war ich gegen Abend unterwegs, als meine Tankanzeige unbarmherzig blinkte. Auch das noch! Kein Politiker ist ja auf die Idee gekommen, unsere Wegegelder ein bisschen zuerhöhen, weil die Benzinpreise sich verdoppelt haben. 

Trotzdem: Rein in die Tankstelle trotz 1,39 € auf dem Schild. Während ich tankte,  ließ ich meinen Blick schweifen: Da stand 1,38 € auf dem  Preisschild. Ich dachte, ich hätte Hallunzinationen! Aber tatsächlich  wurde während meines Tankvorganges der Preis um 1 Cent gesenkt. Obgleich ich  damit nur 50  Cent sparte, stimmte mich diese Überraschung  fröhlich.  Ist doch schön, wenn man so billig erheitert werden kann.... Der Benzinpreis wird gewiss bald wieder auf über 1,40 € steigen.  Aber was ist man für eine Hausärztin, wenn man keine Besuche fährt?
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Montag, 7. januar 2008
Lettze Woche  sollte ich für eine Patientin in Vertretung "eben mal" ein Rezept unterschreiben. Darauf ein Betablocker, ein Schilddrüsenmedikament und: Hormone! Ich sagte der Dame, dass ich der Meinung sei, dass a) ihr Frauenarzt für das Aufschreiben von Hormonen zuständig ist, und b)  man in diesem Alter längst ausgeschlichen haben sollte. Immerhin zeigten die Studien in Amerika, dass gerade in so hohem Alter die Krebshäufigkeit unter Hormonen deutlich zunahm.

Die Patientin  wurde "stinkesauer": Ihr Frauenarzt  sei in einer weit entfernten Stadt, sie suche ihn regelmäßig auf, habe aber dort nichts aufschreiben lassen. Ich solle ihr keine Schwieigkeiten machen, sondern endlich unterschreiben. Sie könne ohne die Hormone nicht schlafen. Ich blieb hart, und sie verließ schimpfend die Praxis.

Nachforschungen beim Hausarzt ergaben Hanebüchenes:  Die Patientin hatte seit Jahren keine Überweisung zum Frauenarzt mehr bekommen, die Tabletten wurden vom Hausarzt rezeptiert. Gynäkologische Untersuchung? Fehlanzeige. Obendrein wurden auch die Schilddrüsenwerte über drei Jahre nicht kontrolliert.  2004  hatte sie unter Tabletten eher zuviel Schilddrüsenhormone. 

Wahrscheinlich waren die Schilddrüsentabletten viel zu hoch dosiert und die Patientin war deshalb schlaflos. Wahrscheinlich war auch der Bluthochdruck mit schnellem Puls, gegen  die sie den Betablocker nahm, durch die überdosierten Schilddrüsentabletten bedingt. Ohne zu viel L- Thyroxin hätte man darauf wahrscheinlich verzichten können.

Aber in der Hausarztptraxis war die Patientin ähnlich fordernd aufgetreten, so dass die Helferinnen kleinmütig Rezepte schrieben, die der Arzt  im Vorbeigehen unterschrieb.  Jetztwird er hoffentlich die Blutuntersuchungen nachholen und dafür sorgen, dass seine Patientin zum Frauenarzt geht. Hoffentlich hat sie nicht schon einen Tumor!

Schade, dass man manchen Menschen eine gute ärztliche Betreuung aufdrängen muss,  allem Widerstand zum Trotz.
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Samstag, 5. januar 2008
Ich kaufe gern in dem Markt direkt neben meiner Praxis ein, und treffe dort natürlich oft auf meine Patienten.  So sehr ich versuche, einfach nur privat  zu sein, so wenig gelingt es mir beim Blick in ihre Einkaufswagen. Highlights gibt es da wenige: Gekauft wird weißes Toastbrot, Mett, Hackfleisch, Paniertes,  Frittiertes , Alkoholisches, Tabak und Süßes. 

Herr Metzger hat ja sehr unverblümt von der schlechten Ernährung "der" Harz IV- Empfänger gesprochen. Solche Verallgemeinerungen sind zwar unfair, aber meine Erfahrungen sind ähnlich: Je weniger Geld zur Verfügung steht, umso ungesunder scheint mir der Lebensstil zu sein.

Warum hat meine Harz- IV- Familie Geld für Tabak und Kinderüberraschungseier, kauft aber kein frisches Gemüse oder Obst? "Teuer" ist keine Ausrede: Kohlrabi und Karotten gibt es zur Zeit wirklich "saubillig". Kartoffeln sind billiger als Pommes, aber ich sehe sie in KEINEM Einkaufskorb ärmerer Mitbürger.  Auch keinen frischen Quark, mit dem man herrliche Gerichte zaubern kann (z. B. mit gekochtem Ein drin und Radieschen). Warum teures "Golden Toast"- Brot statt des preiswerteren Vollkornbrotes?  Warum keine der 25- Cent-Sonderangebotsjoghurts im Korb, aber die Zigarettenpackung?

Ich wünsche mir Kurse in Familienbildungsstätten, wo Haushalten und gutes Kochen mit preiswerten Zutaten gelehrt wird. Viele wissen einfach nicht, wie das geht.

Den Kopf aber schüttel ich über die (eigentlich geschulten) Diabetiker, in deren Einkaufswagen Berge von Weißmehlprodukten, Zuckerzeug, Limo und Paniertem liegen. Einmal konnte ich mir einen Kommentar an meine zuckerkranke Patientin nicht verkneifen. Ihre Antwort: "Das ist alles für meinen Mann!". Da konnte ich nur zurückgeben: "Wollen sie den umbringen?"


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Freitag, 4. januar 2008
Ich verbringe  Stunden und Tage damit, meine Patienten  davon zu überzeugen, dass sie gesünder leben sollen. Nicht rauchen, ihren Cholesterinspiegel ok halten, sich bewegen, ihre Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes gut einstellen zu lassen. Oft "predige" ich in den Wind, weil es viel einfacher für die Betroffenen ist, so weiter zu machen wie bisher.

Jetzt hat mich wieder ein Mann besucht, der an Bluthochdruck und Diabetes erkrankt ist, und viel zu selten gekommen ist. Er nahm die Medizin nicht regelmäßig, hielt seine Diät nicht ein und rauchte obendrein. "Mir geht es doch gut!", sagte er, "ich spiele jede Woche noch Tennis!". Doppel, aber immerhin, er ist schon Anfang sechzig.

Eine Weile habe ich ihn nicht gesehen, nun ist er wieder da: Mit einer Halbseitenlähmung nach Schlaganfall. Mühsam geht er an Gehstützen. "Hätte er doch auf mich gehört!" denke ich wieder einmal... Von einem "Ätsch, hab ich es doch gesagt!" bin ich weit entfernt. Eher enttäuscht statt schadenfroh, denn dieses Schicksal musste nicht sein. Jetzt ist nicht  nur Schluss mit Tennis, sondern mit der Arbeit, dem Reisen und vielen anderen schönen Dingen.

Noch schlechter geht es jenen, die nach vielen Raucherjahren an Lungenkrebs erkranken. "Sie haben es ja gesagt!", meinen sie dann bedrückt, aber ich fühle mich weit weg vom Triumph. Auch hier sehe ich es als Niederlage, dass es mir nicht gelungen ist, vorzubeugen. Schlimm ist, dass manche schon in den Vierzigern so schwer  erkranken.

Ich wünsche mir, dass alle Patientinnen und Patienten verstehen, dass sie nicht MIR, sondern ihnen selbst zu Liebe auf sich aufpassen und pfleglich micht sich umgehen sollen! Wieviel Kummer könnte ihnen erspart bleiben.

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Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9/11/1958
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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