Freitag, 25. januar 2008
Liebe Blogger,

da ich auch noch nicht so lange hier blogge, ist mir der Grund nicht aufgefallen, warum ich bisher als einzige in dieser Community schrieb.  Ich wunderte mich schon, dass sonst kein Mensch an Medizin interessiert war. Dankenswerterweise hat jemand mir den Tipp gegeben, auf dem Dashbord mal weiter nach untern zu scrollen, und siehe da: 12 Mitglieder wollten hier schreiben! Natürlich habe ich Euch alle sofort freigeschaltet.


Ich bitte  um Entschuldigung, dass  das  so spät geschah; ich hatte einfach nie weit genug  gescrollt, um Eure Anfragen zu sehen. Seid also herzlich willkommen, insbesondere Nicole, die mir den Tipp gab!


Auf eine lebendige Community.


Frauke Höllering
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (3)    Trackback erstellen empfehlen
Donnerstag, 24. januar 2008
Irgendwann hat Ulla Schmidt (ich kämpfe mit Übelkeit, wenn ich diesen Namen schreibe) mal versprochen, dass die Bürokratie in  Arztpraxen abnehmen solle, weil wir mittlerweile  ein Übermaß an Zeit damit beschäftigt sind. Ich habe nichts davon gemerkt, im Gegenteil:

Stellen Sie sich vor, Ihre alte Großmutter sei ein bisschen tüdelig und könnte nicht gut sehen. Sie brauchte jemanden, der ihr einmal in der Woche ihre Medizin in ein vorbereitetes Döschen sortiert, aus dem sie jeden Tag ihre Tabletten nehmen kann. Weil sie weit weg wohnt, übernimmt diese Aufgabe ein Pflegedienst.

Wenn der Arzt diese Hilfestellung verschreiben will, muss er SIEBEN Din A 4- Seiten bedrucken! Die modernen Laserdrucker können ja nicht mehr im Durchschriftverfahren drucken, also spucken sie sieben dicke Bögen aus für eine einzige Handreichung. Da tröstet es kaum, dass es dieselbe Menge an Papier ist, wenn die alte Dame täglich zwei Insulinspritzen oder wöchentlich drei Verbände bekommt. Wer hat sich diesen Schwachsinn bloß ausghedacht? Wer heftet all die Durchschläge ab für Kasse, Pflegedienst, Patient, Arzt, warum mehr als einen, wer liest das ganze Zeug?

Ich werde erst richtig sauer, wenn ich daran denke, wieviel Rohstoffe für diese sinnlose Papierflut draufgehen.


von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Mittwoch, 23. januar 2008
Über ein Jahr lang hat meine Patientin über Durchfälle geklagt. Sie ist Ende 50 und  ein ganz zartes Ding: keine 50 kg wiegt sie bei 165cm Körpergröße.  Sie raucht,  obgleich sie schon chronische Bronchitis hat. Ein wenig hat sie reduziert,  aber an Aufhören ist leider immer noch nicht zu denken. Die Durchfälle machten ihr zu schaffen, und auch ich war (nicht nur wegen des geringen Körpergewichtes) besorgt. Ob der Durchfall doch vom Nikotin kam?

Alles hatte ich untersuchen lassen: Schilddrüsenwerte, anderes Labor, Stuhluntersuchung, Darmspiegelung, Untersuchung auf Nahrungsmittelunverträglichkeit. Nichts wurde gefunden. Mehrfach hatte ich gefragt: "Nehmen Sie noch irgendwelche Präparate, von denen ich nichts weiß?" Stets hatte sie verneint.

Gestern kam sie wieder. "Mein Durchfall ist seit einer Woche weg!", strahlte sie. Ich war erstaunt: "Wie ist das denn gekommen?". Ihre Antwort warf mich vom Stuhl: "Ich habe immer so viel Magnesium genommen wegen meiner Wadenkrämpfe", sagte sie. "Das habe ich jetzt mal weggelassen, und schon ist der Durchfall weg!". Ich raufte mir die Haare. Magnesium wirkt abführend, und diese hohe Dosis bei einem so zarten Persönchen erst recht. "Warum haben Sie mir das mit dem Magnesium denn nicht erzählt?", fragte ich sie, "ich habe doch extra gefragt, ob Sie noch etwas nehmen?". Ihre Antwort war entwaffnend: " Ich dachte, Magnesium sind keine Tabletten. Das ist doch alles Natur".

Ich habe dazugelernt, und werde meine Fragen in Zukunft noch konkreter stellen.Die Patientin weiß jetzt, dass auch natürliche Mittel Nebenwirkungen haben können. Sie kann froh sein, dass sie sich keine Nierensteine eingehandelt hat! Auch das hätte passieren können. Wir beide aber freuen uns, dass der Durchfall endlich weg ist; gegen die Wadenkrämpfe wird ein bisschen Chinin helfen.


von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Dienstag, 22. januar 2008
Im Rahmen meiner Akupunkturausbildung musste ich auch lernen, mit welchen chinesischen Heilkräutern ich verschiedene Krankheitsbilder behandeln kann. Ich habe damit aber nie angefangen, weil ich dazu dann doch zu sehr Schulmedizinerin bin; außerdem habe ich in unserer Kleinstadt keinen Apotheker,  der solche Kräuter importiert.

Zum Glück, wie sich wieder einmal zeigt! Selbst, wenn diese Kräuter mit Zertifikaten geliefert werden, wurden sie nicht auf Kontamination mit Schwermetallen untersucht, das haben australische Wissenschaftler mit erschreckenden Ergebnissen nachgeholt:

Von 247  getesteten Kräutermitteln  enthielten bis 15% Arsen, 65% Verunreinigungen mit Quecksilber  und 5 % mit Blei. Die tolerierbare Obergrenze dieser Schwermetalle  war häufig überschritten, bei manchen Kräutern um den Faktor 2760!

(Quelle: K. Cooper, J. Toxicol. Environ. Helath A:.70(2007) 1694 - 1699)

Wieder einmal zeigt sich, dass nicht alles harmlos ist, auf dem "Natur" draufsteht. Darum warne ich in diesem Zusammenhang auch vor der Einnahme anderer importierter Mittel zweifelhafter Herkunft. Nicht nur diese aber sind weniger harmlos, als mancher denkt: Schließlich ist ein Fliegenpilz auch "Natur" und dennoch hoch giftig! Darum verstehe ich meine Patienten nicht, die sich wundern, wenn selbst ihre pflanzlichen Mittel aus der Apotheke lästige Nebenwirkungen zeigen. Ist doch normal!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Montag, 21. januar 2008
Bald ist es wieder soweit: Dann bietet unsere Praxis einen Ausbildungsplatz  für medizinische Fachangestellte an.

Gefühlsmäßig schwanke ich zwischen Vorfreude und Angst vor Enttäuschung. Wie immer werden wir den Ausbildungsplatz der Agentur für Arbeit melden, die uns ca 10 Vorschläge machen wird. Es werden sich (wie immer) 6 bis 7 Mädchen gar nicht erst melden. 2- 3 werden unterirdische Zeugnisse einreichen, und vielleicht eine werden wir einladen können. Darum inserieren wir auch dieses Mal wieder. Dann werden weitere zehn Bewerbungen hinzukommen, zusätzlich zu denen, die sich bei uns auf "gut Glück" bewerben. Mit drei bis 5 von ihnen werden wir sprechen.

Was erwarten wir?  Nette, offene  Menschen, die  ein echtes Interesse an Medizin und ihren Mitmenschen haben. Sie sollten engagiert und fit genug sein, nicht  ungezählte Fehltage und Vieren bzw. Fünfen auf ihren Zeugnissen zu haben. Auch Hauptschülerinnen laden wir ein, wenn sie gute Noten und eine ansprechende Bewerbung vorweisen können. 

Was finden wir?  Mädchen, denen es egal ist, ob sie bei uns sind oder Verkäuferin lernen; wie sollen wir denen unsere Patienten anvertrauen? Mädchen mit Piercings, die unsere alten Leute erschrecken, oder bauchfreien Tops, die sich in einer Praxis einfach nicht gehören. Ungewaschene Haare, Scheißegal- Einstellung, übergroße Schüchternheit. Meist nur eine von Fünfen kann unsere regelmäßig gestellte Frage beantworten: "Wenn drei Säcke Kartoffeln 12 € kosten, was kosten dann vier Säcke?". Warum wir nach einem simplen Dreisatz fragen? Weil unser Team auch ein bisschen rechnen könenn muss! Warum können oft selbst Realschülerinnen diese Frage nicht beantworten???

Arzthelferin bzw. medizinische Fachangestellte ist ein höchst anspruchsvoller Beruf, der leider  zu schlecht bezahlt wird  (wenn bei uns auch etwas über Tarif).  Man  muss clever sein, warmherzig,  fleißig, menschenfreundlich, geschickt, widerstandsfähig und ein Organisationstalent mit einem Faible für  Medizin. Außerdem hat man ungünstige Arbeitszeiten. Dafür eine echt erfüllende Aufgabe, die viel Freude bringen kann.

Darum hoffe ich, dass wir auch diesmal wieder Glück  haben! Bisher haben wir immer jemanden gefunden, die obige Anforderungen erfüllt; dafür ist unser Praxisteam dankbar, und die Patienten freuen sich auch. Ich bin gespannt; im März geht es los!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (8)    Trackback erstellen empfehlen
Samstag, 19. januar 2008
Es ist verständlich, dass viele Patienten zunächst versuchen, Befindlichkeitsstörungen mit Mitteln aus der Hausapotheke zu kurieren, bevor sie zehn Euro bezahlen, um sich in ein volles Wartezimmer zu setzen.

Allerdings staune ich, wieviel Geld für Mittelchen aus der Apotheke so ausgegeben wird: Meist wird übermäßig viel und übermäßig teuer eingekauft!

Wenn ich eine lästige Erkältung habe, kaufe ich mir ASS 500, das hervorragend gegen Kopf- und Gliederschmerzen hilft, oder (wenn mein Magen ASS derzeit nicht verträgt), Paracetamol 500. Beides kostet nur knappe 2 €. Dazu ein Nasenspray für 4,50 €, und das reicht fast immer. Warum soll ich für sogenannte "Grippemittel", die neben den o. a. Schmerzmitteln nur noch Vitaminchen, Koffein, etc. beinhalten, ein Zigfaches bezahlen? Da trinke ich lieber einen Kaffee oder esse eine Orange! Warum soll ich Lutschtabletten kaufen? Wenn ich Halsschmerzen habe, mag ich nicht schlucken! Die Dinger helfen auch gar nicht. Warum empfiehlt man mir Hustenlöser? Ist kein Schleim da, kann ich auch nichts lösen, kommt viel Schleim heraus, wird es durch den Löser (wenn er überhaupt hilft) noch mehr. Nein danke! Nur in dem (seltenen) Fall, dass zäher Schleim meine Atmung behindert, nehme ich ein paar Pinienölkapseln. Lästig ist ein trockener Reizhusten, der einen nicht schlafen lässt. Nur für diesem Fall greife ich tief ins Portemonnaie für einen Hustenblocker. Aber der ist verschreibungspflichtig; außerdem sollte man vor Gebrauch einmal die Lunge abgehört haben. 

Das Problem: Der beratende Apothekler verdient natürlich umso mehr, je mehr er anpreist... Wenn Ärzte beraten, ist das völlig unabhängig. Dennoch werde ich sauer, wenn Leute mit Wick Medinait aus der Apotheke kommen (Alkohol,. Schmerzmittel, Hustenblocker), dazu ACC (Schleimlöser), Sinupret (noch ein Schleimlöser; meinen Sie denn im Ernst dass es Schleimlöser gibt, die wissen, ob sie in den Bronchien oder Nebenhöhlen wirken sollen? Die wirken alle überall!)  und vielleicht noch einem Vitaminpräparat. Für diese Tagenstherapiekosten könnte ich einen herzkranken, rheumatischen Diabetiker über die Runden bringen!

Mein Tipp: Lieber mal eher den Arzt fragen, wenn der Apotheker zu üppig verkaufen will.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (3)    Trackback erstellen empfehlen
Freitag, 18. januar 2008
Bei meiner Online- Arbeit sehe ich immer wieder, dass ein  Kernspin als "Kernspinnt" oder "Kernspint" bezeichnet wird. Dabei spinnt hier doch keiner! Der "Spin" kommt aus dem Englischen von "to spin", was "drehen" heißt. Es handelt sich hier um eine Untersuchung auf Magnetbasis (darum auch MRT = Magnetresonanztomografie genannt). 
Darum wird keine Röntgenstrahlung gebraucht und der Körper nicht belastet.


Anders ist das beim CT (Computertomogramm). Hierbei wird der Körper in vielen kleinen Scheibchen geröntgt, was eine beachtliche Strahlenbelastung darstellt und nur bei einer ernsthaften Indikation gemacht werden sollte. Sog. "Kardio- CTs" nach dem Motto: "prophylaktisch mal sehen, wie das Herz aussieht" sollte man aus seiner Vorsorgeliste streichen!

Bei einem MRT kann man gut bindegewebige Strukturen betrachten, so z. B. Bandscheiben, Wirbelkanäle, Kniegelenke. Zur Tumorsuche, also Darstellung kleiner dichter Strukturen, sind CTs besser geeignet.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Donnerstag, 17. januar 2008
Viele meiner Patienten betreue ich schon Jahre lang. Ich kenne nicht nur ihre Krankheiten und Gebrechen, sondern auch ihre Familie, ihre Sorgen und Wünsche. Ich besuche sie zu Hause, wenn sie bettlägerig sind, ich bange mit ihnen, wenn es um ernste Krankheiten geht, ich drücke die Daumen für ihre Jobs, ihre Kinder, ihre Gesundheit. Ich gebe ihnen Rat, wenn die Ehe kriselt, ich tröste sie, wenn sie traurig sind. Ich gebe mein Möglichstes, sie in Zeiten knapperer Kassen gut zu versorgen. Ihretwegen sitze ich abends und am Wochenende vor Fachzeitschriften oder in Vorträgen, damit ich auch für kompliziertere Fragestellungen fit bin und medizinisch up to date.

Ich weiß, dass  meine Patienten  gerne mal ein persönliches Wort sprechen, und nehme mir die Zeit dafür. Ich weiß, wie wichtig kurze Wartezeiten und ein angenehmes Praxisklima sind. Darum haben wir einen guten Terminplan und ein erfahrenes, großes Praxisteam, auch wenn die Personalkosten hoch sind.

Dennoch verliere ich manche Patienten aus einem einzigen Grund: Ein anderer Arzt meiner Kleinstadt bietet ein Hausarztmodell an, mit dem die Patienten die zehn Euro Praxisgebühr sparen. Ungerührt werden die Krankenakten eingefordert, um sie dem anderen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Dass er weder die personelle, noch die apparative Ausstattung unserer Praxis hat, interessiert solche Patienten nicht. Es steht mir nicht an, die medizinischen Qualitäten meiner Kollegen zu beurteilen; aber bei manchen, behaupte ich einfach, ist man schlechter betreut als bei mir. Dennoch wechseln manche Patienten, die sich zehn Euro Praxisgebühr im Quartal locker leisten könnten.

Natürlich könnte ich an allen Hausarztmodellen teilnehmen; aber ich habe bisher nur eines, das ich für sinnvoll erachte. Warum, das ist eigenen eigenen Artikel wert. Dass meine Arbeit manchen nicht einmal 3,33 € im Monat wert ist (die aber ja nicht für mich sind, sondern welche die Krankenkasse bekommt), ist eine bittere Pille für mich.


von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Mittwoch, 16. januar 2008
Wir  niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte rechnen unsere Leistungen mit der kassenärztlichen Vereinigung ab.  Die bekommt das Geld von den gesetzlichen Krankenkassen und verteilt es an uns, so gerecht wie möglich. Bezahlt werden wir nach Punkten: Jeder gibt an, wieviel Punkte er erbracht hat (das steht in der Gebührenordnung). Die Geldmenge, die verteilt wird, bleibt immer gleich. Sind es viele Punkte, die erwirtschaftet wurden (z. B. , weil wegen des Noro- Virus oder einer Grippewelle viele Patienten behandelt werden mussten), sinkt der Punktwert einfach ab, und man hat die Mehrarbeit ohne einen Cent mehr in der Tasche erbracht. Hamsterrad. Aber einer gewissen Punktwert- Obergrenze ist sowieso Ende. Haben wir also für den einzelnen Patienten mehr Leistungen erbracht als vorgesehen, tun wir das ganz kostenlos.

Es kann nicht sein, dass wir die Folgen ausbaden müssen, wenn mehr Leute krank sind! Daum soll dieses Punktesystem im Jahr 2009 gegen eine normale Gebührenordnung in Euro ausgetauscht werden. Aber auch hier gibt es natürlich nur eine gewisse Summe, die wir pro Patient erbringen dürfen; wir werden ja in Pauschalen bezahlt. Ich glaube daher nicht, dass sich viel ändern wird. Woher soll auch das Geld kommen, um unsere ärztliche Arbeit fair zu bezahlen? 

Manche "Kollegen" machen es sich einfach: Ist ihr Budget erfüllt, machen sie Urlaub, immer 2 oder 3 Wochen pro Quartal. Ihre armen Patienten werden von denjenigen  Ärzten (kostenlos) versorgt, die sich nicht drücken, obgleich ihr Budget längst ausgeschöpft ist. Ich finde es schade, dass die Patienten diesen Budgetschonern nicht ganz den Rücken drehen!

Mir wäre es am liebsten, dass jeder Patient eine Arztrechnung bekäme, die er bei seiner Kasse einreicht; ganz wie bei den Privatversicherten. Dann wüsste er, was wir alles erbracht haben, und wie die einzelne Leistung bewertet wird. Außerdem könnten unsere ärztlichen "schwarzen Schafe" nicht aufschreiben, was sie wollen, weil es dem Patienten auffiele, wenn nicht erbrachte Leistungen auf der Rechnung stünden. Vielleicht wäre dann mehr Geld im System für eine leistungsgerechte Bezahlung?

Natürlich hätten wir dann auch die Arbeit mit Mahnungen etc., aber dafür fiele vielleicht der ganze Praxisgebühr- Wahnsinn weg.

Ein bisschen träume ich davon.



von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (5)    Trackback erstellen empfehlen
Dienstag, 15. januar 2008
Gestern saß ich mit vielen Ärzten in einem Vortrag, in dem es um die neue Gebührenordnung ging. Wieder einmal wurde mir Angst und Bange; es gibt immer mehr Ältere und Kranke, Diabetes und Bluthochdruck rollen als wachsende Riesenlawine auf unsere Bevölkerung zu, aber es gibt kaum Geld in den Kassen, um alle angemessen zu versorgen. Immer weniger immer ältere Ärzte versuchen das für immer weniger Geld.

Natürlich aber kann man auch die  Krankenkassenbeiträge nicht endlos erhöhen! Schon jetzt sind sie  für manche  nur schwer zu bezahlen. Wussten Sie, dass viele privatversicherte  Ältere Monatsbeiträge von 1000 € zu schultern haben? Bei den Privatversicherten ist die Obergrenze der Beiträge nämlich nicht gedeckelt wie bei den gesetzlichen Krankenkassen. Bald aber gibt es auch bei allen privaten Kassen eine "Basisversicherung", die soviel kostet und bietet wie eine gesetzliche Kasse; in die werden viele sich retten.

Wer jung und recht gesund ist, kann bei seiner gesetzlichen Kasse eine Tarif mit Kostenerstattung wählen. Nimmt man ein Jahr lang keinen Arzt in Anspruch (außer Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen),  bekommt man zwischen 50  und 400  € im Jahr zurück. Das klingt gut, oder?

Allerdings habe ich als Ärztin einige Sorgen. ich fürchte, dass viele den Arztbesuch umgehen, selbst wenn er nötig sein sollte, um die Rückerstattung nicht zu gefährden. Darum habe ich einen Tipp für Sie: Haben Sie einen solchen Tarif und sind krank, können Sie die nötige Untersuchung beim Arzt privat abrechnen lassen. Das kostet ca 30 €, die Sie dann selber bezahlen sollten. Dann haben Sie Ihre Gesundheit nicht gefährdet und bekommen am Jahresende immer noch eine Rückerstattung.

Wer regelmäßig seine Vorsorgeuntersuchungen (Check Up ab 35. Lebensjahr) wahrnimmt, kann umso besser die Weichen für ein gesundes Leben stellen. Aber Achtung: Wenn im Rahmen des Checks Krankheiten gefunden werden, die weitere Untersuchungen oder auch nur eine besondere Beratung erfordern, gilt das nicht mehr als reine Vorsorge und wird dem Patienten berechnet. Auch Ihre Fragen, die über den Check hinausgehen wie: "Mit welchem Puls soll ich eigentlich im Studio trainieren?"  müssen außerhalb des Checks berechnet werden. Das ist übrigens der Grund, warum viele Haus- und Frauenärzte für den Check die 10 € Praxisgebühr nehmen, obgleich die Vorsorge das nicht erfordert: Fast kein Patient beschränkt sich auf das bisschen, das die reinen Vorsorgeuntersuchungen vorgeben. Sobald über Krankheiten gesprochen wird, zieht die Krankenkasse die 10 € ein vom Doktor ein.
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen

Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9/11/1958
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

Über diesen Blog

Kalender

Mai 2008
M D M D F S S
      1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  
<< < > >>

Freitext

Bookmark bei Mister Wong Bookmark bei Del.icio.us Bookmark bei Digg Bookmark bei Blinklist
Bookmark bei Technorati Bookmark bei Newsvine Bookmark bei Furl Icons von Blog-Marketing

Feeds

  • Feed RSS 2.0
  • Feed ATOM 1.0
  • Feed RSS 2.0
 
Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden